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Das Land, das es gar nicht gibt

Ein kleiner Teil von Moldawien hat 1990 die Unabhängigkeit erklärt. Anerkannt wird Transnistrien aber auch fast 30 Jahre später nicht.

Heute Redaktion
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Es ist 1990, die Sowjetunion zerfällt. Ein kleiner Teil von Moldawien an der östlichen Grenze zur Ukraine möchte auch nicht mehr zu Moldawien gehören – und erklärt die Unabhängigkeit. Nach einem viermonatigen Krieg mit 700 Todesopfern gibt es einen Waffenstillstand, der bis heute anhält.

Eigene Flagge und Währung

Transnistrien, das sich selbst Pridnestrowische Moldauische Republik oder Pridnestrowien nennt, wird nicht nur von Moldawien nicht anerkannt. Keine Nation der Welt akzeptiert den kleinen Flecken als eigenes Land.

Dabei hat Transnistrien alles, was ein Land braucht: Eine eigene Regierung, Militär und Polizei, Postwesen, eine eigene Währung und eine Verfassung. Transnistrien hat eine Flagge, die als einzige noch immer den Hammer und die Sichel, die Zeichen des Kommunismus, als Symbole verwendet.

Warum eigentlich?

Aber warum will Transnistrien nicht zu Moldawien gehören? Das liegt hauptsächlich daran, dass die Gegend um Transnistrien schon seit dem Osmanischen Reich zum Russisch sprechenden Gebiet gehört. Die Bewohner dieser Gegend haben sich schon immer mehr russisch als moldawisch gefühlt.

Der russischen Unterstützung ist die Existenz von Transnistrien überhaupt zu verdanken: Russland sorgt für politische und finanzielle Stabilität und Unterstützung. Die Menschen in Transnistrien schauen eher russisches Fernsehen, die Kinder lernen aus russischen Schulbüchern und sogar die Pensionisten erhalten aus Russland Unterstützung.

Schwierige Zukunft

Die nicht vorhandene Anerkennung ist ein Problem. Während die ältere Generation der Bewohner in Transnistrien noch immer darauf hofft, als Land anerkannt zu werden und/oder ein Teil von Russland zu werden, wollen die jüngeren Menschen in der Gegend eigentlich nur weg.

Es gibt nicht genug Arbeit in Transnistrien und die wirtschaftliche Situation ist schlecht. Junge wandern oft so bald wie möglich aus, häufig nach Moskau oder in andere russische Orte. Seit der Gründung von Transnistrien hat sich die Bevölkerung um ein Drittel verringert. Sie zählt derzeit 475.665 Menschen.

Russisch orientiert

Der englische Fotograf Justin Barton besuchte Transnistrien 2015 und fragte eine junge Einheimische, die 23-jährige Anastasia Spatar, was sie über ihre Heimat denke. Laut Barton sei die junge Frau in Tränen ausgebrochen. Sie kennt nichts anderes und war noch nie außerhalb des nicht anerkannten Landes.

Auch die deutsche Fotografin Julia Autz besuchte Transnistrien. "Die Bewohner werden schnell paranoid, wenn sie Fremde mit Kameras sehen. Sie orientieren sich auch nicht an westlichen Werten, sie sind große Fans von Russland und von Putin. Sie hoffen immer noch, dass Transnistrien ein Teil von Russland wird", sagte die Fotografin gegenüber Medien.

Auch ihr fiel die Verzweiflung auf, die vor allem bei den jungen Bewohnern des Landes sichtbar wird. Sie hat aber auch Freunde gefunden: "Viele Bewohner in Transnistrien haben noch nie Menschen aus dem Westen gesehen. Sie waren sehr interessiert und fragten, was ich in Deutschland mache, und wollten mehr über mich wissen", erklärte Autz. (mst)