Welt

Tripolis: Regierung schickt Armee

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:37

Am Montag ist die Lage in der lybischen Hauptstadt Tripolis nach schweren Gefechten zwischen Milizen und Demonstranten eskaliert. Die lybische Regierung schickte die Armee nach Tripolis, woraufhin sich die Milizen aus der Hauptstadt zurückzogen.

Bereits am Wochenende war Tripolis von den heftigsten Straßengefechten seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi vor zwei Jahren erschüttert worden. Mehr als 40 Menschen wurden getötet, als Milizionäre aus dem östlich von Tripolis gelegenen Misrata auf Demonstranten schossen, die auf das Hauptquartier der Brigade in Tripolis marschierten.

Panzer rollten in Tripolis ein

Am Montag überschlugen sich die Ereignisse: Es kam zu blutigen Zusammenstößen zwischen Milizen und Demonstranten. Daraufhin entsandte die libysche Regierung Einheiten der Armee in die Hauptstadt Tripolis . Dutzende Panzer fuhren am Montag in den Straßen der Stadt auf, wie ein AFP-Korrespondent berichtete. Die Regierung erklärte, "zahlreiche Einheiten der nationalen Armee" würden an den Hauptverkehrsadern in Tripolis stationiert.

Milizen zogen sich zurück

Wenige Stunden später kam die Nachricht aus Regierungskreisen, dass die Milizen sich aus der libyschen Hauptstadt zurückzogen. Die von den Milizen aufgegebenen Gebiete würden von Einheiten der Armee eingenommen, erklärte das Verteidigungsministerium.

In Bengasi entging ein Militärgouverneur einem Anschlagsversuch, wie ein Sicherheitsverantwortlicher mitteilte. Bei dem Sprengstoffattentat auf den Konvoi von Oberst Abdallah al-Zaiti gab es demnach einen Toten und einen Schwerverletzten. Mehrere Fahrzeuge seien schwer beschädigt worden.

Vize-Geheimdienstchef entführt

Am Samstag hatten Milizionäre aus Misrata versucht, ihren Kampfgefährten in der Hauptstadt zur Hilfe zu kommen, was neue Kämpfe zwischen bewaffneten Milizen auslöste. Am Sonntag wurde der Vizechef des Geheimdienstes, Mustafa Nuh, von - wie er es bezeichnete - "Kriminellen" aus der westlichen Stadt Al-Zintan entführt. Al-Zintan war im Bürgerkrieg 2011 eine der Hochburgen der Milizen. Sie hatten entscheidenden Anteil an dem Sieg über die Gaddafi-Truppen beigetragen. Am Montag wurde der Vize-Geheimdienstchef wieder freigelassen, hieß es.

 
Gaddafi war mithilfe der Milizen gestürzt worden. Allerdings ist es der neuen Regierung nicht gelungen, die verschiedenen bewaffneten Gruppen aufzulösen oder in die Sicherheitskräfte einzugliedern: Viele Kämpfer bleiben loyal zu ihren Kommandanten. Auch zwischen den einzelnen Gruppen kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen. Unter anderem kämpfen sie um die Kontrolle über das Erdöl des Landes.

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