So unterschiedlich reagiert die internationale Politik auf das Ergebnis des Türkei-Referendums: Die EU ist entsetzt, US-Präsident Trump gratuliert persönlich.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verliert nach seinem Verfassungsreferendum am Sonntag keine Zeit. Er verlängerte den Ausnahmezustand, der seit dem Putsch-Versuch von vor einem Jahr gilt und kündigt an, so schnell wie möglich die Todesstrafe einzuführen.
"War nicht demokratisch"
Dabei haben mittlerweile mehrere unabhängige Stellen massive Mängel festgestellt. Die türkische Opposition will das Referendum annullieren lassen. In der Nacht auf Dienstag kam es in der Türkei zu Protesten mit tausenden Teilnehmern.
Trump gratuliert
US-Präsident Donald Trump hielten diese Zweifel und Proteste jedoch nicht davon ab, Erdogan persönlich zum Ergebnis zu gratulieren. Er überbrachte am Montagabend telefonisch seine Glückwünsche, wie das Weiße Haus bestätigte.
Und das obwohl sein Pressesprecher Sean Spicer zuvor verlautbarte, dass sich das Weiße Haus nicht zum Referendum äußern wird, bevor nicht der Bericht der Wahlbeobachter vorliegt.
EU-Beitritt gestorben
Auch in Österreich, wo Erdogan unter den Austro-Türken einen haushohen Sieg verzeichnete, reagierte man auf das Ergebnis des Referendums.
Einen EU-Beitritt kann die Türkei nach diesem Ergebnis vergessen, meint zumindest Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ): "Wir haben erlebt, dass mit dem gestrigen Tag de facto die Beitrittsperspektive begraben worden ist", so Kern am Montag. "Präsident Erdogan hat uns allen ausgerichtet, dass er Europa für einen verrotteten Kontinent hält."
Die EU-Kommission gibt sich derzeit zurückhaltend, doch immer mehr EU-Länder schwenken auf Österreichs Position um. Um die Beitrittsverhandlungen offiziell abzubrechen, braucht es die Stimmen von mindestens einem Drittel der 28 EU-Mitgliedsstaaten. (csc)