Kuriose Krisen-Folge

Trumps Kuba-Blockade sorgt für Elektroauto-Boom

Treibstoffmangel legt Kubas öffentlichen Verkehr lahm – Elektrofahrzeuge boomen, doch die Versorgung bleibt vielerorts prekär.
22.10.2026, 13:16
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Kubas Verkehrsminister Eduardo Rodriguez Davila steht täglich vor einer schier unlösbaren Aufgabe: Millionen Menschen sollen mit Flugzeug, Zug und Auto über die 1.250 Kilometer lange Insel reisen können – obwohl es praktisch keinen Treibstoff gibt.

Seit die USA Ende Jänner ein faktisches Einfuhrverbot für Treibstoff gegen die kommunistische Regierung Kubas verhängt haben, ist der öffentliche Verkehr auf der größten Insel der Karibik in einem bisher nicht gekannten Ausmaß eingebrochen.

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"Der traditionelle öffentliche Verkehr ist auf einem seiner niedrigsten Stände überhaupt", sagte Rodriguez Davila, ein ausgebildeter Maschinenbauingenieur, der Nachrichtenagentur Reuters in einem Exklusivinterview in Havanna.

Öffi-Fahrten brechen ein

Der oberste Verkehrsverantwortliche der Insel rechnet damit, dass die Zahl der Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln heuer im Vergleich zum Vorjahr um 75 Prozent sinkt. Die täglichen Busverbindungen von der Hauptstadt Havanna in die Provinzen seien von 419 im Jahr 2025 auf heuer nur noch elf zurückgegangen.

Inselweit sei die Zahl der Buslinien von mehr als 100 auf 21 geschrumpft. Der Verkehr zwischen den Städten, auf den viele kubanische Beschäftigte angewiesen sind, werde um 90 Prozent zurückgehen.

"Das sind Familien, die sich nicht fortbewegen können, Menschen, die ihre kranken Angehörigen nicht besuchen können, und andere, die nicht ins Spital kommen", sagte er. "Das Drama hinter diesen Engpässen ist komplex."

Illegale Blockade

Auch der Güterverkehr im Inland dürfte heuer auf rund 20 Millionen Tonnen sinken, sagte Rodriguez Davila. Das wäre weniger als ein Drittel der 70 Millionen Tonnen, die im Vorjahr im Land transportiert wurden.

Die USA erklären, die inzwischen neun Monate dauernde Treibstoffblockade und die zuletzt verschärften Sanktionen seien nötig, um Kubas Regierung zu stürzen. Diese bezeichnen sie als unfähig und korrupt.

Kuba und die Vereinten Nationen nennen die Blockade illegal und einen Verstoß gegen die Menschenrechte aller Kubaner.

Elektroautos auf dem Vormarsch

Während die Spannungen zwischen den Regierungen steigen, greifen die Kubaner auf Autostopp, spontane Fahrgemeinschaften und zunehmend auf deutlich teurere private Fahrdienste zurück. Auch elektrische Verkehrsmittel hätten sich stark verbreitet, sagte der Minister.

"Das ist es, womit wir arbeiten müssen, aber es ist mit hohen Anschaffungskosten verbunden", sagte er. Solche Fahrzeuge seien oft doppelt so teuer wie Modelle mit Benzin- oder Dieselmotor.

Rodriguez Davila zufolge gibt es in Kuba inzwischen 150.000 Elektroautos, E-Bikes und elektrische Dreiräder. Das ist doppelt so viel wie 2025 und entspricht rund 15 Prozent der insgesamt eine Million Fahrzeuge im Land.

40 Prozent elektrisch

Der tatsächliche Anteil dürfte deutlich höher sein, sagte er. Viele Elektroautos und E-Bikes seien nicht zugelassen. Zudem sei es wegen der hohen Kosten kaum leistbar, ein Auto mit Benzin oder Diesel zu betreiben.

Bis August waren laut dem Minister 40 Prozent der Fahrzeugimporte elektrisch. Im Jänner 2025 waren es erst 3,5 Prozent gewesen. Möglich machten das Einfuhranreize, durch die für Elektroautos und E-Bikes weniger oder gar keine Steuern anfallen.

"Die Zahl der Elektrofahrzeuge ist schneller gestiegen als die Versorgung mit erneuerbarer Energie", sagte der Minister.

Kuba versucht, rasch Solarladestationen für Fahrzeuge zu errichten. So soll die stark steigende Nachfrage vom maroden Stromnetz, das überwiegend mit Treibstoff betrieben wird, auf die Sonnenenergie verlagert werden. Das Verkehrsministerium habe gerade 60 Solarladestationen gekauft, die im ganzen Land verteilt werden sollen, sagte Rodriguez Davila.

red, 22.10.2026, 13:16