Die Türkei scheidet bei der WM schon nach der Gruppenphase aus. Für die ambitionierte Mannschaft um Jungstar Arda Güler ist es ein Fiasko.
Arda Güler starrte nach dem "beschämenden" WM-Aus fassungslos in den dunklen Himmel über Santa Clara, bei seinen Mitspielern flossen Tränen der Enttäuschung – und in der fernen Heimat zerbrachen am frühen Morgen die großen Träume vom türkischen WM-Sommer. Die zweite Schmach im zweiten Spiel brachte bereits das Aus, die Türkei scheitert in der Vorrunde – und muss angesichts des Fiaskos beim WM-Comeback nach 24 Jahren alles hinterfragen.
"Wir sind richtig, richtig traurig, es ist auch beschämend", sagte Jungstar Güler nach dem entscheidenden 0:1 gegen Paraguay: "Wir entschuldigen uns bei unserem Volk. Wir weinen in der Kabine. Wir müssen alles tun, um das wieder gutzumachen."
Über 9.000 Flugkilometer von Kalifornien entfernt waren die türkischen Fans in den Morgenstunden zu Tausenden zusammengekommen. Nahe des Dolmabahce-Palasts am Wasser, in einer alten Festungsanlage in Istanbul oder in einem Amphitheater in Antalya – überall sollte gemeinsam die sportliche Wende bei dieser Weltmeisterschaft gefeiert werden. Stattdessen endete der Morgen trotz langer Überzahl für die Mannschaft von Vincenzo Montella in einem Debakel, welches am fußballerischen Selbstverständnis der Nation rüttelte.
"Wie Haiti!", titelte etwa die Sportzeitung Fanatik: "Wir scheiden aus, ohne ein Tor zu erzielen - wie Haiti! Wir teilen das Schicksal des schwächsten Teams im Turnier." Auch der frühere Nationalspieler Halil Altintop musste das Aus "erstmal sacken lassen". Es gebe "sehr, sehr viele Fragezeichen", sagte Altintop bei MagentaTV: "Die Enttäuschung ist sehr, sehr groß, weil die Mannschaft viel individuelle Qualität hat."
Die reichte in den USA aber nicht, um in die K.o.-Phase einzuziehen. Das Gruppenfinale gegen die USA, die durch die türkische Niederlage als Gruppensieger feststehen, ist damit sportlich bedeutungslos. Schon den Auftakt hatten die Türken mit 0:2 gegen Australien verloren.
Vor der WM habe "riesige Euphorie" geherrscht, sagte Altintop, "weil die Entwicklungen der letzten Jahre positiv waren." Doch man habe gesehen, fügte der 38-malige Nationalspieler an, "dass wir in einigen Bereichen Nachholbedarf haben. Man hat heute gesehen, dass die Mannschaft nicht mit dem Druck umgehen kann."
Schon nach 64 Sekunden lagen die Türken im "Endspiel" gegen Paraguay hinten, als Matias Galarza mitten ins Herz der stolzen Nation traf. Nach einer Roten Karte gegen Miguel Almirón, der sich bei einer Auseinandersetzung mit Mert Müldür beim Sprechen die Hand vor den Mund hielt und nach der neuen FIFA-Regel folgerichtig vom Platz flog, spielten die Türken mehr als eine Halbzeit in Überzahl. Doch der erlösende Ausgleich sollte nicht gelingen.
"Ich kann meinen Spielern nichts vorwerfen", sagte Montella und bezog sich auf 62 Schüsse seines Teams in zwei Gruppenspielen - von denen allerdings nur 12 aufs Tor gingen: "Das Glück war nicht auf unserer Seite. Aber das Team hat Herz und Seele gezeigt." Die Zukunft des Italieners ist nach der großen Enttäuschung offen.