Tunesier (31) lenkte Todes-Lkw in Nizza

Nach dem verheerenden Anschlag mit über 80 Toten in Nizza wurde der Attentäter identifiziert. Es handelt sich um den Tunesier Mohamed Lahouaiej Bouhlel.

Nach dem verheerenden wurde der Attentäter identifiziert. Es handelt sich um den Tunesier Mohamed Lahouaiej Bouhlel.

Der 31-jährige tunesische Staatsbürger besaß die Aufenthaltserlaubnis in Frankreich. Er wohnte im Quartier Nice Nord, Ermittler durchsuchten am Freitag dessen in einem kleinen Haus gelegene Wohnung in der Avenue Henri Sappia. Er war als Berufsfahrer und Lieferant tätig.
Eine Radikalisierung oder Verwicklung des Attentäters in Terrorismus war den Behörden bislang nicht bekannt, es war kein "fiche S" (französisches Geheimdossier) angelegt. Allerdings war er aufgrund von Gewalttaten, Diebstählen und häuslicher Gewalt bereits polizeibekannt.

Wie die französische Zeitung "Le Monde" berichtete, soll er erst kürzlich wegen eines Streits im Straßenverkehr verhaftet worden sein. Er hatte eine Waffe bei sich. Am 23. März 2016 fasste er eine sechsmonatige Bewährungsstrafe wegen bewaffnetem Einbruch aus.

Bouhlel saß während der Amokfahrt alleine im weißen Lkw. Das Schwerfahrzeug hatte er am Mittwoch in der Gemeinde Saint-Laurent-du-Var nahe des Flughafens von Nizza selbst angemietet. Dennoch wird ermittelt, ob es mögliche Komplizen gibt. Ermittler sprachen am Freitag mit Personen aus seinem näheren Umfeld.

Kein guter Moslem

Der Mann soll zwar Moslem gewesen sein, einem Cousin seiner Ex-Frau zufolge aber kein besonders gläubiger. Den Fastenmonat Ramadan soll er weitestgehend ignoriert haben, er ging so gut wie nie eine Moschee. Er soll auch Schweinefleisch gegessen haben. Eine religiöse Radikalisierung scheint mit so einem Hintergrund unwahrscheinlich.

Mit seiner Frau, die er regelmäßig geschlagen haben soll, hat er drei Kinder. Sie lebten in Scheidung.

Terroristen-Poesiealbum gefunden

Bei der Hausdurchsuchung sollen die Beamten jedoch eine lose Sammlung von Fotos und Stories aus Zeitungen und Magazinen gefunden haben, deren thematischer Schwerpunkt auf den Taten von terroristischen Einzeltätern liegt.

Wie die "Welt" berichtet, sollen darunter auch Artikel über den Serienmörder Mohammed Merah sein, der 2012 eine jüdische Schule in Toulouse angegriffen und drei Kinder und eine Religionslehrerin erschossen hat.

Auch für Amedy Coulibaly und seine Komplizen Chérif und Said Kouachi, die im Jänner 2015 das Satiremagazin "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt in Paris angriffen, soll er sich interessiert haben.

 

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