Welt

Türkei: Sechs Menschen erschossen

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:18

Ein Amokläufer hat in einem Amt im Nordosten der Türkei ein Blutbad unter früheren Kollegen angerichtet. Mit einer automatischen Waffe erschoss der aus dem Dienst der Statistikbehörde TÜIK entlassene Mann am Mittwoch in der Stadt Kars sechs Beschäftigte und dann sich selbst, wie türkische Fernsehsender berichteten. Der Druck auf die autoritäre Staatsführung von Ministerpräsident Erdogan wächst indes weiter.

Ein Amokläufer hat in einem Amt im Nordosten der Türkei ein Blutbad unter früheren Kollegen angerichtet. Mit einer automatischen Waffe erschoss der aus dem Dienst der Statistikbehörde TÜIK entlassene Mann am Mittwoch in der Stadt  sechs Beschäftigte und dann sich selbst, wie türkische Fernsehsender berichteten. Der Druck auf die autoritäre Staatsführung von Ministerpräsident Erdogan wächst indes weiter.

Unter den Toten sei auch der Leiter des TÜIK-Regionalbüros, mit dem der Mann Streit gehabt habe. Die Tat habe keine politischen Hintergründe, teilten die Behörden mit. "Ein Entlassener lief Amok, tötete sechs Menschen und beging Selbstmord", erklärte Provinzgouverneur Eyüp Tepe. "Er war ein Mitarbeiter mit psychischen Problemen." Medienberichten zufolge handelt es sich bei dem Täter um einen Psychologen, gegen den eine interne Untersuchung lief.

Der Mann drang am Morgen gleich nach Öffnung des Büros mit der Waffe in die Räume der Behörde ein und brachte seine früheren Kollegen in seine Gewalt. Er erschoss die Menschen, noch bevor die Polizei mit Spezialeinheiten eintraf. Mehrere Beschäftigte wurden von Schüssen verletzt. Schwerbewaffnete Polizisten riegelten das Gebäude für eine Untersuchung ab.

"Erdogan spaltet die Gesellschaft"

Abseits dieses Vorfalls wächst der Druck auf Ministerpräsident Erdogan weiter. Der Chef der größten Oppositionspartei der Türkei (CHP), Kemal Kilicdaroglu, hält Erdogan für untragbar: "Er ist ein Diktator. Er unterdrückt die Medien, die Wirtschaft, und die Bürokratie untersteht ihm allein. Er sagt: Ich bin der Staat", so Kilicdaroglu im Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit".

"Er spaltet die Gesellschaft, missbraucht die Religion und pfeift auf das Gesetz." Erdogan habe "die Türkei zu einem Paradies der Verbote gemacht", sagt der Führer der Oppositionspartei. Die türkische Regierung führe das Land "ins Chaos und in den Bürgerkrieg", so Kilicdaroglu weiter, und ergänzte: "Die Türkei wird von einem Mann geführt, der nicht weiß, was Menschlichkeit ist."

Staatspräsident Gül distanziert sich von Erdogan

Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül hat sich ebenfalls mit klaren Worten von Erdogan distanziert. Im Gespräch mit türkischen Journalisten während eines Besuchs in Dänemark wies Gül die These Erdogans, bei den Vorwürfen handle es sich um ein Komplott ausländischer Kräfte, als Äußerungen wie aus "Drittweltländern" zurück, wie türkische Zeitungen am Mittwoch berichteten.

Erdogan macht die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen für die Korruptionsvorwürfe verantwortlich und wirft Gülen vor, er wolle mit der Bildung "paralleler Strukturen" im Staatsapparat die Regierung stürzen. Gül vermied die Verwendung dieses Begriffs und sagte, Staatsbedienstete könnten durchaus "unterschiedliche Ansichten" haben. Sollte es Verfehlungen gegeben haben, gebe es rechtliche Mittel zu deren Ahndung. Er forderte zudem, die Korruptionsvorwürfe gegen die Regierung müssten transparent aufgearbeitet werden.

Aufklärung des Todes von Berkin Elvan gefordert

Anders als Erdogan verlangte Gül auch, . Der Bursch war während der Gezi-Proteste im vergangenen Jahr von einer Tränengaskartusche der Polizei am Kopf getroffen worden und nach monatelangem Koma in der vergangenen Woche gestorben. Gül betonte, der Rechtsstaat müsse sicherstellen, dass sich ein solcher Fall nicht wiederhole. Erdogan hatte das Vorgehen der Polizei gerechtfertigt.

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