U2/U5: Öffi-Ausbau wird teurer – und zur Staufalle

Der Bau der U5 verzögert sich um ein Jahr.
Der Bau der U5 verzögert sich um ein Jahr.Image created by Office le Nomade
Jetzt steht der Fahrplan für das erste Teilstück der U5 und der U2-Ausbau. Die Arbeiten starten im Jänner, mit Verkehrsverzögerungen ist zu rechnen.

Ab dem Jahr 2025 sollte es auf der neuen Linie U5 "Bitte einsteigen" heißen, ab 2027 sollte auch die verlängerte U2 bis zum Matzleinsdorfer Platz (Favoriten) fahren. Doch daraus wird nichts, das hat Finanz- und Öffi-Stadtrat Peter Hanke (SPÖ) am Donnerstag bekannt gegeben. Mit 2,1 Milliarden Euro wird das mega Infrastrukturprojekt außerdem deutlich teurer als zu Beginn geplant – nämlich doppelt so teuer. Die Differenz ist für Hanke leicht erklärt, viel zu früh seien in der Vergangenheit Zahlen genannt worden. "Damals war man noch in einer sehr frühen Projektphase", erklärt Andreas Kropik, Professor für Bauwirtschaft und Baumanagement an TU-Wien, die Diskrepanz. Dieses Mal soll es anders sein, "2,1 Milliarden Euro können als Maximalwert angesehen werden", versichert Kropik. Damit liegen die Kosten laut dem Experten im internationalen Vergleich im Mittelfeld. Zukünftig will der Stadtrat übrigens Realkosten eines Projekts erst zum Stichtag der Inbetriebnahme benennen.

Ab 11. Jänner rollen jedenfalls die Bagger an, die Arbeiten starten im Bereich der Knotenstation U2xU5 Rathaus und der ersten U5-Endstelle Frankhplatz. Hier beginnen dann die Vorbereitungen für den Start der Rohbau- und Tunnelarbeiten. Dazu werden in der Landesgerichtsstraße, am Friedrich-Schmidt-Platz sowie in der Josefstädter Straße, Universitätsstraße und am Schottentor die Baustellenflächen eingerichtet. Der Verkehr muss in diesem Bereich für die nächsten Jahre umgeleitet werden. Die weiteren Bauarbeiten entlang der neuen 4,5 km langen U2-Trasse sollen noch im 1. Quartal 2021 starten.

Baustelle wird zur Staufalle

Die Verkehrsumleitungen im Detail: Die Landesgerichtsstraße ist ab Universitätsstraße bis Felderstraße einspurig und durchgängig nur in Fahrtrichtung Museumsquartier befahrbar. Richtung 9. Bezirk wird der Verkehr ab Felderstraße über die Ebendorfer Straße umgeleitet. Die Durchfahrt zwischen Alser Straße und Universitätsstraße ist ab Baustart nicht möglich. Stadtauswärts kann die gesperrte Kreuzung über die Umleitung Frankgasse/Haulerstraße umfahren werden. Die Straßenbahnlinien 43 und 44 sind bis auf wenige, kurze Wochenend-Einschränkungen normal unterwegs.

ÖAMTC rechnet mit starken Auswirkungen

Die Wiener Linien empfehlen großräumig auszuweichen, wenn das unmittelbare Ziel nicht dort liegt. Autofahrer müssen jedenfalls mit starken Verzögerungen rechnen. "Insbesondere auf der Alserstraße stadteinwärts und Universitätsstraße stadtauswärts wird sich die Baustelle deutlich auswirken", erklärt ein ÖAMTC-Experte. Auch am Ring werde zwischen Parlament und Universität mehr los sein. Besonders zuspitzen werde sich die Verkehrslage, wenn am Ring eine Veranstaltung oder Demonstration angekündigt ist, wo normalerweise die Umleitung über die Zweierlinie erfolgt. "Das wird sich extrem auswirken", befürchtet der Experte.

U2 für 26 Monate gesperrt

Die Linie U5 wird Wiens erste vollautomatische U-Bahn-Linie. Sie führt von der Station Karlsplatz, über Museumsquartier, Volkstheater und Rathaus zur neu errichteten Station am Frankhplatz. Dazu werden die bestehenden Stationen modernisiert, umgerüstet und mit Bahnsteigtüren ausgestattet. Für den Zeitraum der Umbauarbeiten ab Ende Mai 2021 fährt die U2 für rund 26 Monate nur zwischen Seestadt und Schottentor. In dieser Zeit wird eine zusätzliche Straßenbahn zwischen Schottenring und Karlsplatz unterwegs sein.

Größtes Klimaschutzprojekt

Zu Erfreulicherem: Der U-Bahn-Ausbau soll jährlich Co2-Einsparungen von bis zu 75.000 Tonnen durch die mögliche Reduktion des Autoverkehrs bringen. Jährlich sollen zudem 300 Millionen Fahrgäste zusätzlich Platz finden. "Darüber hinaus sichern die U2xU5-Investitionen in Summe 30.000 Arbeitsplätze, stärken direkt die Kaufkraft der Wienerinnen und Wiener und den Wirtschaftsstandort Wien", sagt Peter Hanke. Zusätzlich erhoffen sich die Wiener Linien eine Entlastung von stark frequentierten Öffi-Linien, insbesondere von U3, U6, 6er, 43er und 13A.

"Die U-Bahn ist die ökologische Lebensader durch unsere Stadt, der lebenswertesten Stadt der Welt. Die Verkehrswende und der dringend nötige Umstieg von Autos auf Öffis werden nur durch ein attraktives Öffi-Netz gelingen. Jetzt getätigte Investitionen bringen einen langfristigen Mehrwert, der unbezahlbar ist für unsere Umwelt weit über die Landesgrenzen hinaus", erklärte Wiener Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer bei einem Pressegespräch am Donnerstag.

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