Welt

Über 10.000 Taifun-Tote nach Sturm "Haiyan"

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:38

Der Taifun "Haiyan" traf Freitag mit enormer Wucht auf die Philippinen und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Durch den Rekordsturm sind in der Provinz Leyte nach Polizeiangaben mindestens 10.000 Menschen ums Leben gekommen. Auf seinem Weg über das Land habe der Wirbelsturm eine Schneise fast völliger Zerstörung hinterlassen, sagte Polizeipräsident Elmer Soria am Sonntag. Entwarnung geben die Behörden hingegen für Vietnam. Dorthin war der Sturm weitergezogen.

traf Freitag mit enormer Wucht auf die Philippinen und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Durch den Rekordsturm sind in der Provinz Leyte nach Polizeiangaben mindestens 10.000 Menschen ums Leben gekommen. Auf seinem Weg über das Land habe der Wirbelsturm eine Schneise fast völliger Zerstörung hinterlassen, sagte Polizeipräsident Elmer Soria am Sonntag. Entwarnung geben die Behörden hingegen für Vietnam. Dorthin war der Sturm weitergezogen.

Der Sturm war am Freitag mit Böen von mehr als 300 Kilometern pro Stunde über den Inselstaat in Südostasien hinweggezogen und ist damit einer der stärksten Taifune, die jemals auf Land trafen. Bisher gibt es keine Hinweise, dass Österreicher auf den Philippinen betroffen sind. Das sagte der Sprecher des Außenministeriums, Martin Weiss, am Sonntag. Man stehe laufend mit der Botschaft in Manila in Kontakt. Ganz auszuschließen sei es aufgrund der Größe des Ereignisses aber nicht.

"Schäden überwältigend"

"Die Schäden sind überwältigend", sagte Energieminister Jericho Petilla am Sonntag im Rundfunk. Er berichtete, dass die verheerende Zerstörung den Zugang zum Katastrophengebiet behindere. Auf dem Flughafen könnten nur Militärmaschinen landen, Helfer müssten sich zu Fuß und mit Mopeds durchschlagen. Viele Ortschaften seien 48 Stunden nach dem Unwetter noch nicht erreicht worden.

In den betroffenen Küstengebieten waren ganze Dörfer überschwemmt worden. "Stellen Sie sich einen Abschnitt von einem Kilometer Breite vom Ufer aus vor, alle Hütten, einfach alles ist zerstört", sagte Innenminister Mar Roxas nach einem Besuch von Küstenorten auf Leyte. In der Stadt Tacloban mit 200.000 Einwohnern waren praktisch alle Gebäude zerstört worden, umgeknickte Strommasten und Bäume blockierten die Straßen. Große Frachtschiffe wurden an Land gespült. Überall liegen Leichen, notdürftig mit Planen abgedeckt. In den Trümmern suchen Familien nach Essbarem. Kleinkinder kauern unter Zeltplanen.

Erste Plünderungen

Im Katastrophengebiet herrscht größtes Elend. Verzweifelte Menschen plünderten am Sonntag in Tacloban auf der Suche nach Essbarem und Trinkwasser Geschäfte. Die Polizei schickte Verstärkung. Ein Lasterwagenkonvoi wurde 20 Kilometer südlich von Tacloban gestoppt und geplündert. Die Notpakete hätten rund 5.000 Familien versorgen sollen. "Es ist chaotisch", sagte Roger Marcado, Gouverneur von Southern Leyte. "Die Menschen versuchen sogar, Geldautomaten zu knacken." Ein Ladenbesitzer stand mit gezückter Pistole vor seinem Laden, um Plünderer abzuschrecken.

Präsident Benigno Aquino machte sich in der Region ein Bild von der Verwüstung und den Hilfsmaßnahmen. Die Katastrophenhilfe lief zwar an, aber zerstörte Flughäfen, beschädigte Häfen und kaputte oder verschüttete Straßen machten die Verteilung der Hilfsgüter zu einem logistischen Alptraum. Nach Angaben der Regierung waren 4,3 Millionen Menschen von der Naturkatastrophe betroffen. 800.000 waren aus ihren Häusern geflüchtet.

Wie Tsunami-Katastrophe 2004

Der UNO-Koordinator für Katastrophenhilfe, Sebastian Rhodes Stampa, sagte nach einem Besuch in Tacloban, er fühle sich an die Tsunami-Katastrophe vom Dezember 2004 erinnert. "Das letzte Mal, dass ich so ein Ausmaß (an Zerstörungen) gesehen habe, war nach dem Tsunami im Indischen Ozean." Damals waren bei einem Erdbeben und dem darauffolgenden riesigen Tsunami 220.000 Menschen ums Leben gekommen.

"Die Zerstörung in Tacloban ist schockierend", berichtete Praveen Agrawal vom UN-Welternährungsprogramms (WFP) nach einem Besuch. Die Organisation will 40 Tonnen angereicherte Energiekekse aus Dubai einfliegen. Sie haben sich in Desasterzonen, wo nicht gekocht werden kann, bewährt. Sie enthalten nach WFP-Angaben pro 100 Gramm 450 Kilokalorien und mindestens 10 Gramm Proteine.

EU und USA boten den Philippinen Unterstützung an. "Die Europäische Kommission hat bereits ein Team entsandt, um die Behörden zu unterstützen, und wir sind bereit, Nothilfe zu leisten, wenn dies erforderlich ist", schrieb EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso in einem Brief an Aquino. Die USA stünden zur Hilfe bereit - "und unsere tief empfundenen Gebete gelten ihnen", erklärte US-Außenminister John Kerry.

Aufatmen in Vietnam

"Haiyan" hat sich auf dem Weg über das Südchinesische Meer abgeschwächt. Das Tiefdruckgebiet drehte zudem Richtung Norden ab. Rund 600.000 Menschen waren in Vietnam in Sicherheit gebracht worden. Für rund die Hälfte von ihnen kam in der Provinz Quang Nam am Sonntag Entwarnung. Nach Angaben des Roten Kreuzes zieht der Taifun auf die Provinz Thanh Hoa rund 170 Kilometer südlich von Hanoi zu. "Wie es aussieht, wird er dort als Tropensturm an Land kommen", sagte Michael Annears, Direktor des Roten Kreuzes.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Taifune sind, und wie Taifune zu ihren Namen kommen...Taifune sind tropische Wirbelstürme, die durch mächtige Tiefdruckgebiete gebildet werden. Taifune tauchen vorallem im Pazifik sowie in Ost- und Südostasien auf und gehören dort zu den schwersten Naturkatastrophen.

Taifune gibt es in der Regel von Mai bis November. Die Zyklon-Saison an der Ostküste Afrikas, im Südpazifik und Australien dauert von November bis April. Im Golf von Bengalen und dem Arabischen Meer dauert sie von April bis Juni und September bis November. Die Hurrikan-Saison beginnt im Pazifik Mitte Mai und im Atlantik Anfang Juni. Sie geht jeweils bis Ende November.

"Sturmvogel"

Tropische Wirbelstürme haben je nach Region unterschiedliche Namen: Hurrikan im westlichen Atlantik und im östlichen Pazifik, Zyklon im Indischen Ozean und Taifun im westlichen Pazifik. Der Name des Supertaifuns "Haiyan" auf den Philippinen heißt übersetzt "Sturmvogel". Er wurde von China vorgeschlagen. Andere Namen auf der Liste stehen für Pflanzen, Orte, mythische Figuren oder Edelsteine.

Im westlichen Pazifik und Südchinesischen Meer werden die Namen für schwere Unwetter nicht alphabetisch, sondern nach einer festen Liste mit 140 Namen vergeben. Der erste Name auf der aktuellen Liste ist "Damrey", ein Taifun, der im Juli 2012 im Gebiet nördlich des Jangtse in China wütete. "Haiyan" steht auf dem 44. Platz.

Die Liste führt die japanische Meteorologiebehörde (JMA). Die Namensvorschläge stammen aus den 14 Ländern, die im "Taifun-Ausschuss für den westlichen Nordpazifik und das Südchinesische Meer" vertreten sind. Darunter sind unter anderem Japan, China, Laos, die USA und die Philippinen vertreten.

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