Über 30 Tote nach Protest gegen Todesurteile

Am Samstag wurden 22 Todesurteile wegen des Massakers bei einem Fußballspiel in Ägypten vor einem Jahr verkündet. Daraufhin starben bei Protesten in der Hafenstadt Port Said bis Sonntagabend über 30 Menschen.

Am Samstag wurden 21 Todesurteile wegen des Massakers bei einem Fußballspiel in Ägypten vor einem Jahr verkündet. Daraufhin starben bei Protesten in der Hafenstadt Port Said bis Sonntagabend über 30 Menschen. Präsident Mohammed Mursi verhängte daraufhin den Ausnahmezustand über drei Städte.

Wegen tödlicher Krawalle nach einem Fußballspiel vor knapp einem Jahr sind in Ägypten 21 Menschen zum Tode verurteilt worden. Aus Sicherheitsgründen war das Verfahren von Port Said nach Kairo verlegt worden. Die angeklagten Al-Masri-Fans wurden aus Angst evor Übergriffen nicht zum Gericht gebracht. Für die noch nicht verurteilten Angeklagten fällt der Richterspruch am 9. März.

2012 waren in der Stadt Port Said im Nordosten Ägyptens Fans der Vereine Al-Ahli und Al-Masri aufeinander losgegangen, es gab 74 Tote. Unmittelbar nach Abpfiff hatten Fans des Gastgebervereins Al-Masri das Spielfeld gestürmt. Präsident Mohammed Mursi zählte die Toten vor wenigen Tagen zu den offiziellen "Märtyrern der Revolution".

Ausnahmezustand ausgerufen

Angesichts der blutigen Ausschreitungen am Wochenende musste er jetzt aber über die drei am stärksten betroffenen Städte den Ausnahmezustand verhängen. Diese Maßnahme gelte von Mitternacht an für 30 Tage für die Städte Port Said, Suez und Ismailia, sagte der Staatschef am Sonntagabend in einer Fernsehansprache. Mit dem Ausnahmezustand verbunden sei beispielsweise eine nächtliche Ausgangssperre. Außerdem lud Mursi die Führer der Opposition für Montag zu Gesprächen ein.

Gewaltexplosion in Port Said

Das Urteil wurde am Samstag in  Kairo verkündet; das Staatsfernsehen übertrug dies live. Nach Bekanntgabe des Urteils starben zahlreiche Menschen in Folge von gewaltsamen Protesten. In Port Said versuchte eine wütende Menschenmenge, darunter auch Verwandte der Inhaftierten, ein Gefängnis zu stürmen und die Verurteilten zu befreien. Bei den blutigen Ausschreitungen in der ägyptischen Hafenstadt sind am Wochenende in Summe mehr als 30 Menschen getötet worden.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Kairo starben am Samstag 31 Menschen, bei neuen Krawallen am Sonntag wurden nach Krankenhausangaben drei Menschen getötet und mehr als 400 weitere Menschen verletzt. Die Armee bezog in Port Said Stellung und bewachte öffentliche Gebäude und sensible Orte.

Ärzten zufolge wurden alle 31 Opfer vom Samstag durch Schüsse getötet. Die Armee gab allerdings an, keine scharfe Munition eingesetzt zu haben. Am Sonntag starben drei Menschen, unter ihnen ein 18-Jähriger. Demonstranten versuchten, drei Polizeiwachen zu stürmen, und steckten ein Armeegebäude in Brand.

Panik bei Trauerfeier

Anlass für die Zusammenstöße am Sonntag waren Trauerfeiern für die Todesopfer vom Vortag. Eine Panik brach aus, als währenddessen Schüsse zu hören waren, deren Ursprung jedoch unklar war. Augenzeugen zufolge schossen Unbekannte auf die Polizei, die daraufhin Tränengas einsetzte. Zwei Polizeiwachen wurden gestürmt, überall in der Stadt waren Schüsse zu hören. Am Gerichtsort in Kairo brach nach Verkündung der Todesurteile Jubel unter den Angehörigen der Opfer der Krawalle von 2012 aus.

In Suez versuchten Demonstranten laut Augenzeugen, das Hauptquartier der Polizei zu stürmen. Die Sicherheitskräfte setzten daraufhin Tränengas sein. Am Freitag waren in der Stadt bei gewaltsamen Protesten anlässlich des zweiten Jahrestags des Volksaufstands gegen den langjährigen Präsidenten Hosni Mubarak acht Menschen getötet worden. Auch in anderen Städten gab es Ausschreitungen, unter anderem am Sonntag in Kairo.

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