Erdogan: Wladimir Putin will Ukraine-Krieg bald beenden

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist überzeugt, dass sich Kreml-Despot Wladimir Putin ein baldiges Ende im Ukraine-Krieg wünscht.

Nicht nur die Faxen Wladimir Putins sorgen Tage nach dem Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) in Usbekistan für Schlagzeilen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan lässt nun mit seiner eigenen Einschätzung zum Ukraine-Krieg und Putins Plänen aufhorchen.

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Während der Kreml-Despot nach außen hin den starken Mann gab und öffentlich als Reaktion auf die jüngsten ukrainischen Erfolge im Raum Charkiw erklärte, dass es die russischen Truppen mit ihrer Offensive "nicht eilig" hätten und weiter neue Gebiete erobern würden, soll es hinter den Kulissen heftig rumoren. Das zumindest deutet Erdogan nun in einem Interview mit dem US-Sender PBS an.

Die Lage für Russland sei "durchaus problematisch" und es sei sein Eindruck, dass Putin den Krieg zu einem baldigen Ende führen wolle, erklärte der türkische Staatschef. Er habe darüber im Rahmen des Gipfeltreffens in Samarkand "sehr umfassende Diskussionen" mit Putin geführt.

Erdogan laut "BBC" wörtlich: "Er hat mir gezeigt, dass er eigentlich bereit ist, das so schnell wie möglich zu beenden. Das war mein Eindruck, denn so wie Dinge gerade laufen, ist es durchaus problematisch".

Putin soll alle besetzten Gebiete zurückgeben

Der türkische Präsident positionierte sich seit Beginn der Invasion als Mediator, denn sein Land unterhält wegen der Schwarzmeer-Nachbarschaft eigentlich gute Beziehungen sowohl zur Ukraine als auch Russland. Zudem ist die Türkei NATO-Mitglied, weshalb er eine "ausbalancierte" Haltung für sein Land propagierte, während der Westen scharfe Sanktionen verhängte.

Allerdings forderte Erdogan zeitgleich auch eine Rückgabe aller von Russland besetzten Gebiete an die Ukraine. "Wenn in der Ukraine Frieden hergestellt werden soll, wird natürlich die Rückgabe des besetzten Landes wirklich wichtig. Das wird erwartet", so der Präsident in dem PBS-Interview. "Die besetzten Gebiete werden an die Ukraine zurückgegeben", stellte er in Richtung Moskau klar – das müsse auch für die 2014 annektierte Halbinsel Krim gelten.

Separatisten planen Beitrittsreferenden

Die selbst ernannten russischen "Volksrepubliken" Luhansk und Donezk im Großteils russisch besetzten Osten der Ukraine sowie das weiterhin schwer umkämpfte Gebiet Cherson im Süden wollen noch in dieser Woche Referenden anzetteln, um die Bevölkerung – zumindest jene, die nicht geflohen sind – über einen Beitritt zu Russland abstimmen zu lassen.

Die Scheinreferenden, die sicherlich weder von der Ukraine noch international anerkannt werden werden, sollen schon ab diesem Freitag, 23. September, bis kommenden Dienstag, 27. September, abgehalten werden.

Ist das Putins Plan zur Beendigung des Ukraine Kriegs? ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz spricht am Dienstag in der ZIB 13:00 jedenfalls von einer "Büchse der Pandora", die damit geöffnet werde.

Wird es für Russen doch offiziell zum Krieg?

"Es ist ja eine Frage, wo kann ich dieses Referendum überhaupt durchführen", mahnt er mit Verweis auf die geteilten Herrschaftsverhältnisse zwischen Ukraine und Separatisten im Landkreis Donezk. "Wie man dort ein Referendum durchführen soll, das sowieso nur eine Farce sein kann unter diesen Bedingungen, ist schon rein technisch fraglich."

Die viel drängendere Frage sei aber, was damit bezweckt werden solle und wie Russland auf den angeblichen Beitrittswillen dann reagieren werde: "Was heißt das dann aus russischer Sicht? Führt dann die Ukraine doch Krieg mit Russland, oder ist das doch ein weiterer Schritt zur Eskalation zwischen Russland und dem Westen, sprich NATO? Was heißt das, wenn Russland die Souveränität über die Landkreise nicht durchsetzen kann, weil die Ukraine auch dort vormarschiert?", so Wehrschütz in seiner ORF-Analyse.

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