Putin-Freund: Polen will Teile der Ukraine annektieren

SWR-Geheimdienstchef Sergei Naryschkin (r.) an der Seite Wladimir Putins während einer Gala in Moskau, 2019.
SWR-Geheimdienstchef Sergei Naryschkin (r.) an der Seite Wladimir Putins während einer Gala in Moskau, 2019.Sputnik/Alexei Druzhinin/Kremlin via REUTERS
Russlands Lügen werden immer dreister. Der Chef von Putins Geheimdienst SWR behauptet, dass Polen nun selbst plane, Teile der Ukraine zu annektieren.

Ausgerechnet Polen, das sich aus Angst vor einem weiteren russischen Vormarsch auf das eigene Land im Falle einer ukrainischen Niederlage, äußerst engagiert auf Seiten Kiews engagiert und bereits unzählige Waffen geliefert hat, soll nun der Ukraine in den Rücken fallen wollen – das zumindest verbreiten jetzt russische Medien unter Berufung auf Geheimdienst-Infos.

Demnach soll sich Polen auf die Annexion von Gebieten in der Westukraine vorbereiten. Dies gab der Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR, Sergei Naryschkin, in einem Interview mit der russischen Nachrichtenagentur RIA an.

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Der Spionage-Leiter erklärte, der polnische Präsident Andrzej Duda habe die zuständigen Dienste angewiesen, umgehend eine offizielle Begründung für ihre Ansprüche auf die Westukraine vorzubereiten. Diese solle laut der Nazi-fixierten russischen Propaganda auf das Massaker in Wolhynien und Ostgalizien 1943 (siehe Infobox unten) zurückgehen, woraus nun schwere Restitutionsforderungen konstruiert werden sollen.

Massaker in Wolhynien und Ostgalizien 1943

Bei den bis Kriegsende andauernden ethnischen Säuberungen wurden je nach Quelle zwischen 50.000 bis 100.000 polnische Zivilisten von Nationalisten der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) ermordet. Bei Vergeltungsakten polnischer Partisanen wurden 10.000 bis 15.000 Ukrainer und Angehörige andere Gruppen getötet. Bis heute gibt es in Polen und der Ukraine unterschiedliche Einordnungen der damaligen Ereignisse und entsprechende Spannungen.

SWR-Chef Naryschkin geht aber noch weiter. Polen wolle sich in Folge dann dem russischen Drehbuch bedienen, und Volksabstimmungen über diese Gebiete durchführen, um "die Legitimität der geplanten Übernahmen sicherzustellen". Konkret gehe es laut russischen Angaben um die Gebiete rund um Lwiw (Lemberg), Iwano-Frankiwsk und des größten Teils der Region Ternopil, die historisch auch schon Teil Polens gewesen sind.

Wladimir Putin und SWR-Chef Sergej Naryschkin (2.v.l.) bei einem Treffen des russischen Sicherheitsrates und anderer Geheimdienstchefs.
Wladimir Putin und SWR-Chef Sergej Naryschkin (2.v.l.) bei einem Treffen des russischen Sicherheitsrates und anderer Geheimdienstchefs.Sputnik/Aleksey Nikolskyi/Kremlin via REUTERS

Während sich die Russen besonders bei dem Aspekt der Schein-Referenden in der RIA-Meldung selbst beweihräuchern, folgt schon ein paar Zeilen weiter gleich die nächste Drohung in Richtung der polnischen Führung. Darin warnt der verlängerte Arm des Kremls vor "voreiligen falschen Analogien". Die Polen sollten ihre eigene Historie "gründlicher erforschen" und sich an die blutigen Zusammenstöße zwischen polnischen und ukrainischen Nationalisten erinnern. "Vielleicht sollten Sie nicht noch einmal auf denselben Rechen treten?", höhnen die Russen und schließen damit den Kreis ihrer Propaganda-Narrative.

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