Fussball

Ukraine-Krieg: Spartak macht sich über Rauswurf lustig

Spartak Moskau wurde aus der Europa League ausgeschlossen. Der Klub macht sich mit TikTok-Videos über den Rauswurf lustig.
20 Minuten
11.03.2022, 09:55

Trainer kündigen reihenweise ihre Jobs, halbe Mannschaften verlassen die Klubs, international gilt die Verbannung aus allen Wettbewerben – die Ukraine-Invasion Russlands hat für den russischen Fußball weitreichende Konsequenzen. Wurde vor gut dreieinhalb Jahren mit der WM im eigenen Land noch gefeiert, droht nun die Bedeutungslosigkeit. Die Liga läuft trotz kurzer Diskussion über einen Abbruch weiter.

Es dürfte nur der Anfang sein. Am Montagabend genehmigte der Weltverband Fifa ein Sonder-Transferfenster für ausländische Spieler in Russland und der Ukraine, um ihre Clubs zumindest vorübergehend verlassen zu können. Die Social-Media-Abteilung von Spartak Moskau, das seinerseits aus der Europa League ausgeschlossen worden war, hat ihren Humor trotz fußballerischer Endzeit-Stimmung nicht verloren.

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Im Gegenteil. Die Verantwortlichen von Spartaks Tiktok-Kanal gehen einen anderen Weg. Einen ganz anderen! Auf der Social-Media-Plattform veröffentlichte der Klub in der letzten Woche gleich mehrere Videos, in denen sich der Verein über den Uefa-Entscheid lustig machte. Es fing mit einem Video an, in dem die Fassungslosigkeit des Klubs zu sehen war. In einem Klassenzimmer tanzte eine Frau lasziv vor einem jungen Mann, der schaute jedoch nur apathisch in die Ferne. Es folgten Sequenzen von feiernden Spartak-Spielern in der Europa League. Dann veröffentlichen die Social-Media-Verantwortlichen ein Video, das viral ging. Und wie! Schon mehr als 4,3 Millionen Views hat es, fast 500.000 Likes und mehr als 5000 Kommentare.

Darin zu sehen: Unter dem Titel "Spartak von der Europa League ausgeschlossen" ist ein offensichtlich künstlich weinende, junge Frau zu sehen, die ein Lächeln dazwischen schiebt, als der 6:1-Ligasieg Spartaks nach dem Rausschmiss eingeblendet wird. Auch sehenswert: Ein Baby, das mit dem eigentlichen Europa-League-Gegner RB Leipzig angeschrieben ist. Es weint, als es die letzten Spartak-Siege sieht und lacht hämisch bei der Rausschmiss-Meldung des Top-Klubs. Oder: Mit Filmsequenzen des Blockbusters "Wolf of Wallstreet" macht sich der Verein über die Tiktok-Zensur in Russland lustig. "I am not f****** leaving", brüllt Leonardo DiCaprio. Wie Spartak selbst die Zensur umgeht? Wohl wie viele in Russland: mittels VPN.

Im Netz wird die Performance von Spartaks Social-Media-Abteilung gleichsam gefeiert und kritisiert. "Mit Abstand das beste Tiktok eines Fußballklubs, ein Muss für jeden Fan", heißt es beispielsweise in einer Rezension. Eine andere meint ironisch: "Niemand ist sicher vor dem lustigsten Social-Media-Account eines Fußballvereins aller Zeiten." Kritische Stimmen sind derweil vor allem in den Kommentaren der einzelnen Tiktoks zu finden. "Die Ironie ist geschmacklos", tobt ein User. Aus Italien heißt es: "In Napoli gefällt uns das nicht."

Die meisten Kommentare unterhalb der populären Videos verkommen allerdings zu hitzigen Diskussionen, ob der Ausschluss der russischen Teams von den internationalen Wettbewerben gerechtfertigt sei. Auch da gehen die Meinungen auseinander. Für den russischen Fußballverband ist klar: Der Weltverband Fifa und die Europäische Fußball-Union Uefa hätten keine legale Grundlage für ihren Entscheid gehabt, begründete der Verband am Donnerstag den Schritt. Deshalb hat der RFS beim Sportgerichtshof (CAS) Berufung eingelegt.