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Ukraine-Report für "Heute" – "Ich höre Schüsse"

Reporterin Ann Guenter ("20 Minuten") ist aktuell in der Ukraine. "Mir ist langsam nicht mehr so wohl", sagt sie.  Ihr Report von vor Ort.
Nikolaus Pichler
22.02.2022, 14:35

Am Montag erkannte der russische Präsident Wladimir Putin offiziell die Separatistengebiete in der Ostukraine an und ließ Friedenstruppen dorthin schicken. Seither spitzt sich die Lage nahezu stündlich zu. Das bestätigt auch "20 Minuten"-Chefreporterin Ann Guenter. Die 20-Minuten-Gruppe ist an Heute.at beteiligt. Guenter befindet sich aktuell in der Ukraine, Region Luhansk, nur zwei Kilometer von der Konfliktlinie zwischen der ukrainischen Armee und den Separatisten entfernt. 

"Jetzt, am Mittag, nehmen die Spannungen zu. Erstmals höre ich die Artilleriebeschüsse aus nächster Nähe", berichtet Guenter. Zuvor am Montag sei die Nacht dagegen ruhig verlaufen, obwohl viele Einheimische bereits mit einem Einmarsch der Russen gerechnet hätten. Nachsatz: "Mir ist langsam nicht mehr so wohl."

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"Kinder weinten und waren im Keller"

Die Journalistin wohnt laut "20 Minuten" aktuell bei einer Pastorenfamilie. Dort versuche man aktuell noch Ruhe zu bewahren, so der Tenor der Reporterin. "Die Ukrainerinnen und Ukrainer sind es gewohnt, dass es im Alltag immer wieder zu Artilleriebeschüssen zwischen pro-russischen Separatisten und ukrainischen Soldaten kommt. Nur nehmen diese Beschüsse aktuell stark zu. Hören die Leute, dass irgendwo eine Artillerie eingeschlagen ist, rennen sie instinktiv in den Keller", berichtet Guenter. 

Doch komme es zu Beschüssen, sei die Angst den Einheimischen buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Guenter gibt ein Beispiel: "Am Montag waren wir in einem Dorf, das fünf Minuten vorher von der Artillerie pro-russischer Separatisten beschossen wurde. Die Kinder in einer Grundschule weinten und waren im Keller. Sie trauten sich nicht mehr raus, weil es kurz vorher geknallt hatte." Guenter rechnet früher oder später mit einer Eskalation der Situation und einem Einmarsch. Die Voraussetzungen dafür seien seit Montag besonders gut. 

"Auch Kaplan sagte, dass er dann zur Waffe greifen müsste"

Die Schweizerin ist aktuell mit einem Kaplan unterwegs, der aktuell als Seelsorger für ukrainische Soldaten arbeitet. Kommt es zum Einmarsch, will sich sogar er bewaffnen. "Auch der Kaplan sagte, dass er dann zur Waffe greifen müsste", berichtet Guenter. 

Bei weiteren schweren Gefechten in der Ostukraine sind mehrere Menschen getötet worden. Aufseiten der ukrainischen Armee seien mindestens zwei Soldaten getötet und 18 zum Teil schwer verletzt worden, teilte die Armee am Dienstag mit. Zudem sei ein Zivilist in Nowoluhanske im Donezker Gebiet ums Leben gekommen und an anderen Orten im Konfliktgebiet seien mindestens fünf Zivilisten verletzt worden.

Die von Russland unterstützten Separatisten im Gebiet Donzek berichteten von einem Toten und drei Verletzten unter ihren Kämpfern. Zudem seien in Donezk ein Zivilist getötet und in Slowjanoserbsk im Luhansker Gebiet ein Zivilist verletzt worden. Die Berichte lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

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