Der seit langem angekündigte Spezialeinsatz der ukrainischen Regierung gegen prorussische Separatisten im Osten des Landes hat begonnen. Panzer stehen vor der Stadt Slawiansk. In Kramatorsk, wo Separatisten ein Polizeigebäude besetzt hatten, lieferten sich Regierungseinheiten mit pro-russischen Kräften schwere Gefechte um einen Flugplatz.
Der seit Spezialeinsatz der ukrainischen Regierung gegen prorussische Separatisten im Osten des Landes hat begonnen. Panzer stehen vor der Stadt Slawiansk. In Kramatorsk, wo Separatisten ein Polizeigebäude besetzt hatten, lieferten sich Regierungseinheiten mit pro-russischen Kräften schwere Gefechte um einen Flugplatz.
"Ziel ist der Schutz der Bürger vor Terroristen, die das Land zerreißen wollen", sagte Interimspräsident Alexander Turtschinow am Dienstag. Kurz nach Bekanntgabe des Manövers berichteten Reporter der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag von Panzern und Soldaten, die rund 40 Kilometer vor der ost-ukrainischen Stadt Slawiansk stünden. Es handle sich um rund "ein Dutzend" Panzer, ebenso viele Streitwagen sowie um sieben Busse mit Soldaten der ukrainischen Spezialkräfte.
Sicherheitskräfte brachten den Landeplatz von Kramatorsk rund 80 Kilometer nördlich von Donzek unter ihre Kontrolle. Dabei kam es zu heftigen Gefechten. Das russische Staatsfernsehen berichtete von mindestens vier Toten. Die nach Moskau orientierten Aktivisten sprachen von einem Verletzten in ihren Reihen.
USA und Russland: Verbales Geplänkel geht weiter
Russlands Präsident Wladimir Putin hat in einem Telefonat mit UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon das gewaltsame Vorgehen ukrainischer Regierungstruppen im Osten des Landes kritisiert. Der russische Außenminister Sergej Lawrow warnte erneut vor einem Scheitern der geplanten Genfer Gespräche, sollte die Regierung in Kiew Gewalt gegen die Separatisten anwenden. Ein solches "kriminelles" Vorgehen würde die für Donnerstag geplanten Genfer Vierer-Gespräche zur Ukraine gefährden.
Die USA haben das militärische Eingreifen der Ukraine gegen prorussische Separatisten im Osten des Landes verteidigt. "Die ukrainische Regierung hat die Verantwortung, Recht und Ordnung herzustellen", sagte Regierungssprecher Jay Carney am Dienstag in Washington. Die "Provokationen" prorussischer Kräfte "schaffen eine Situation, in der die Regierung handeln muss". Carney bezeichnete die Eskalation als "sehr gefährlich".
Telefonate deuten auf Krim-Russland-Connection hin
Der ukrainische Geheimdienst SBU hat erstmals abgehörte Telefongespräche veröffentlicht, die Aufschluss über die offenbar enge Verbindung der pro-russischen Freischärler mit Russland geben sollen. Die Telefonate, die insgesamt sechs Minuten lang sind, sollen am vergangenen Sonntag aufgezeichnet worden sein. Sie beziehen sich insbesondere auf die Operation pro-russischer Freischärler in der ostukrainischen Stadt Slowjansk.
Ukrainische Medien outeten den Moskauer Politologen Aleksandr Borodaj als russischen Koordinator. Dieser gilt als wichtiger Verbindungsmann zwischen dem Kreml und dem von Kiew nicht anerkannten Krim-Premierminister Sergej Aksjonow.
Polizeigebäude in Kramatorsk geräumt
Aus dem Polizeihauptquartier der Stadt Kramatorsk haben sich die pro-russischen Separatisten mittlerweile - laut Exekutive - freiwillig zurückgezogen.
In der Früh soll es bereits zu Schusswechseln zwischen prorussischen Separatisten und Regierungskräften gekommen sein - an einer Straßensperre vor Slawjansk. In dieser Stadt halten Freischärler seit dem Wochenende öffentliche Gebäude besetzt, wie in der gesamten Region im Osten der Ukraine. Die prowestliche Regierung in Kiew hatte ihre , nachdem die Separatisten das Ultimatum zur Niederlegung der Waffen Montagfrüh ignoriert haben.
Präsidentschaftskandidat verprügelt
In Kiew war in der Nacht auf Dienstag der prorussische Präsidentenkandidat Oleg Zarjow nach einer TV-Sendung von Unbekannten angegriffen und mit Schlägen traktiert worden. Zarjow wurde im Spital behandelt. Seine Mitarbeiter machen Rechtsextreme für die Attacke verantwortlich. Die Wahl soll am 25. Mai stattfinden.
Großmächte telefonieren
Die Präsidenten Russlands und der USA haben in einem Telefonat die Lage erörtert, ohne dabei eine Annäherung zu erzielen. Wladimir Putin bleibt dabei, dass er nicht hinter den separatistischen Unruhen steckt. Er fordert dagegen Barack Obama auf, Gewalt gegen die pro-russischen Aktivisten zu unterbinden.
EU-Verteidigungsminister beraten
Die EU-Verteidigungsminister sind am Dienstag in Luxemburg zusammengekommen, um unter anderem mit NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen über die Krise zu beraten. Von österreichischer Seite nimmt SPÖ-Verteidigungsminister Gerald Klug am EU-Ministerrat teil.
Neue EU-Sanktionen
Schon am Montag hatte man sich darauf geeinigt, die minimal zu verschärfen. Die Außenminister der 28 EU-Staaten beschlossen in Luxemburg, die Liste der von Kontensperren und Einreiseverboten betroffenen Personen zu erweitern. Über neue Wirtschaftssanktionen wurde noch nicht entschieden.