Ukrainer rissen Lenin-Statue vom Sockel

Der Volkszorn hat sie zu Fall gebracht: Eine dreieinhalb Meter hohe Statue des russischen Revolutionsführers Wladimir Lenin ist am Sonntag in der ukrainischen Hauptstadt Kiew vom Sockel gestürzt worden. Dann haben die Demonstranten das Koloss zu Bröseln zerschlagen.

Ein Mann kletterte auf einer Leiter bis zum Kopf der Statue, legte ihr eine Schlinge um den Hals und verband diese mit Seilen. Unter dem Ruf "Hängt den Kommunisten!" zerrten die Demonstranten an den Seilen, bis die Gründerfigur der Sowjetunion wie in Zeitlupe rücklings vom Podest auf den Boden stürzte. Ähnlich wie bei der Zerstörung der Berliner Mauer im Herbst 1989 machten sich die Demonstranten dann mit Hämmern und Äxten daran, die Statue zu zerschlagen.

Gegen russische Dominanz

Manche nahmen Souvenirs mit, manche umarmten sich und feierten den Untergang eines ihnen verhassten Symbols der Unterdrückung und der russischen Vorherrschaft in der Ukraine. Später wurde ein Teil von Lenins Hand auf dem Unabhängigkeitsplatz der ukrainischen Hauptstadt, dem Zentrum der Massenproteste, von den Demonstranten triumphierend als Beute präsentiert.

Justiz ermittelt wegen Umsturzversuchs

Die Sicherheitsbehörden haben unterdessen eingeleitet. Auslöser der Maßnahme könnte der Aufruf des früheren Außenministers Arseni Jazenjuk zur Blockade des Regierungsviertels in Kiew gewesen sein.

Bis zu 10 Jahre Haft für Putsch

Der mit staatsanwaltlichen Befugnissen ausgestattete Inlandsgeheimdienst SBU ließ wissen, dass ein versuchter Staatsstreich mit fünf bis zehn Jahren Gefängnis bestraft werden könne. Es wurden keine Angaben darüber gemacht, gegen wen konkret die Justiz ermittelt.

Neue Barrikaden gebaut

Die Regierungsgegner scheint das vorderhand sowieso nicht zu interessieren, sie haben wieder mehrere Regierungsgebäude in Kiew mit Barrikaden blockiert. Klitschkos Anhänger haben die Straßen mit Holzstämmen, Privatautos und Zelten versperrt. Ex-Innenminister Juri Luzenko sagte, für die Opposition gebe es nur zwei Möglichkeiten: "Gefängnis oder Sieg."

Janukowitsch will reden

Montagmittag hat sich Präsident Viktor Janukowitsch zu Gesprächen mit der Opposition bereit erklärt. Außerdem trifft der Staatschef am Dienstag seine Amtsvorgänger Leonid Krawtschuk, Leonid Kutschma und Viktor Juschtschenko. Die drei Ex-Präsidenten hatten vergangene Woche ihre Solidarität mit den Demonstranten erklärt und Verhandlungen gefordert. , sich mit dem Regime an einen Tisch zu setzen.

Massenproteste seit 3 Wochen

Bei den seit fast drei Wochen andauernden Massenkundgebungen protestieren Regierungsgegner . Auslöser war die Entscheidung von Staatspräsident Viktor Janukowitsch, auf Drängen Russlands ein Abkommen zur Annäherung an die EU vor der geplanten Unterzeichnung platzen zu lassen. Oppositionschef ist Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko.

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