Entscheidung mit Folgen

Ukrainische Sportler: Wenn ein Helm zum Politikum wird

Ein Helm, eine Entscheidung, viele Fragen. Warum der Versuch, Politik aus Olympia fernzuhalten, sie erst recht sichtbar machte.
Georg Steinschnack
13.02.2026, 07:24
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Eigentlich hätte hier Platz sein sollen für die österreichischen Rodler. Viel gäbe es zu erzählen: vom Staffel-Silber, von der Silbermedaille für Jonas Müller, von insgesamt vier Medaillen im Eiskanal von Cortina. Es gibt jedoch Tage, an denen es um schwerwiegendere Dinge geht, wie den sportlichen Erfolg.

Olympia-Sieger kritisiert Entscheidung

Der Ausschluss des ukrainischen Skeleton-Piloten Vladyslav Heraskevych durch das IOC hinterlässt einen faden Beigeschmack. Heraskevych, der bereits 2022 in Peking mit einem "No War in Ukraine"-Schild für Aufsehen gesorgt hatte, trug im Training einen Helm mit Bildern von im Krieg getöteten Sportkollegen.

In der Olympischen Charta heißt es zwar unmissverständlich: "In allen olympischen Einrichtungen, Wettkampfstätten und anderen Bereichen sind Demonstrationen sowie politische, religiöse oder rassistische Propaganda jeglicher Art verboten." Doch ab wann beginnt eine politische Botschaft? Und ist das Gedenken an gefallene Freunde bereits Propaganda? Dass es sich bei diesem Krieg um einen Angriff Russlands handelt, ist unstrittig. Ob ein solcher Helm damit gegen die Regeln verstößt, bleibt zumindest diskutabel.

Felix Loch fand dazu klare Worte. Der dreifache Olympiasieger stellte sich öffentlich hinter seinen Freund. "Es ist Wahnsinn", sagte Loch im "ZDF" über die Disqualifikation bei den Winterspielen in Cortina. "Er möchte nichts Politisches bewirken, er möchte an seine Freunde erinnern. Das machen viele andere Sportler auch, da ist es kein Problem. Ich finde das nicht richtig, es ist eine sehr, sehr schlechte Entscheidung."

Bleibende Wirkung

Erwähnt werden muss allerdings auch, dass das IOC – vertreten durch Kirsty Coventry – den Athleten nicht umgehend sperrte. Bei der Verkündung rang sie sichtbar mit den Tränen und suchte zuvor noch das Gespräch mit Heraskevych, um ihn zu einem Umdenken zu bewegen. An der Außenwirkung ändert das wenig. Es zeigt aber, dass auch innerhalb der olympischen Führung gerungen wird.

Was bleibt, ist ein IOC, das das Thema größer gemacht hat, als es vielleicht nötig war. Ohne die Disqualifikation hätte der Helm womöglich kein derartiges Erdbeben ausgelöst. Und es bleibt ein Athlet, für den seine Botschaft wichtiger war als jeder Start bei Olympischen Spielen. Menschlich ist das nachvollziehbar. Unumstritten ist es deshalb nicht.

Eines aber ist klar: Heraskevych und seine Botschaft werden diese Spiele in Norditalien überdauern. Ob es dem IOC gefällt oder nicht. Die Frage die bleibt: Hat ausgerechnet der Versuch, jene politische Botschaft zu unterbinden, sie am Ende erst größer gemacht?

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