Es war ein Moment, auf den Cornelia Hütter lange hingearbeitet hatte. Nach mehreren vierten Plätzen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen – zuletzt am Sonntag in der Abfahrt – stand die 33-Jährige nun endlich auf einem olympischen Siegerpodest und gewann Bronze. Dass sich diese Gelegenheit danach nicht mehr bieten würde, war ihr bewusst. "Umso näher das Rennen gekommen ist, umso fokussierter war ich. Als ich aber am Start stand und das erste Tor mit den Ringen oben sah, wurde ich ehrlich gesagt nervös, denn ich wusste: Das ist das letzte Mal, dass ich bei einem olympischen Rennen am Start stehen werde", gestand Hütter.
Im Ziel war Hütter die Anspannung der vergangenen Tage deutlich anzusehen. Als zunächst Rang zwei aufleuchtete, sank die 33-Jährige in den Schnee. "Ich habe alles reingelegt und war am Ende emotional einfach leer. So ein Gefühl habe ich zuvor noch nie gehabt", sagte sie.
Die Tage davor hatten einfach Spuren hinterlassen. Nach Platz vier in der Abfahrt und Rang fünf in der Team-Kombination hätte sie allen Grund gehabt, sich zurückzuziehen. Stattdessen tanzte sie im Österreich-Haus und freute sich mit ihren Gold-Teamkolleginnen Ariane Rädler und Katharina Huber. Leicht sei ihr das nicht gefallen: "Nach dem Rennen am Dienstag war ich extrem sauer, weil ich mir gedacht habe: Das kann es jetzt nicht sein, dass es wieder so läuft. Aber danach hat es Klick im Kopf gemacht und ich habe mir gesagt, ich freue mich jetzt für die beiden, weil sie gute Menschen sind und es sich verdient haben."
Umso größer ist nun der Triumph der Steirerin. Im Sommer-Trainingslager in Chile war allerdings noch nicht abzusehen, dass ausgerechnet im Super-G eine olympische Medaille möglich sein würde. Zeitweise lag sie bis zu drei Sekunden hinter der Weltspitze. Auch im Verlauf des Winters stand sie in dieser Disziplin nicht auf dem Podest; ihre beste Platzierung war Rang sechs im Dezember in Val d’Isère.
Doch wie schon nach drei Kreuzbandrissen und einem Schädel-Hirn-Trauma kämpfte sich Hütter auch diesmal zurück – leise, beharrlich und ohne große Ankündigungen. Auf der anspruchsvollen Strecke behielt die Steirerin die Nerven – und durfte am Ende jubeln. Nach dem emotionalen Höhepunkt richtet sich der Blick rasch wieder nach vorne. Ein Karriereende ist für die 33-Jährige kein Thema.
"Die Olympia-Medaille ist ein großer Meilenstein, aber nicht das Ende", stellt Hütter klar. "Ich habe schon noch ein bisschen was vor." Der Fokus liege nun wieder auf dem Weltcup. "Es stehen noch einige Rennen auf dem Programm, da gibt es überall 100 Punkte zu holen – das ist jetzt das Ziel." Weiter geht es für Hütter jedenfalls am 27. Februar mit der Abfahrt in Soldeu. Bis dahin bleibt Zeit, diesen Moment einzuordnen – und vielleicht auch ein wenig zu genießen.