Welt

Ukrainischer Marinechef lief zu Russen über

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:20

Der Chef der ukrainischen Marine, Admiral Denis Beresowski, hat der prorussischen Regionalregierung auf der Halbinsel Krim seine Gefolgschaft zugesagt. Die Regierung in Kiew hat den abtrünnigen Admiral daraufhin abgesetzt und wegen Hochverrats angeklagt. Pro-russische Kräfte haben laut Interfax eine Radarstation und ein Ausbildungszentrum entwaffnet und fordern Soldaten auf, die Seiten zu wechseln. Die Abtrünnigen fordern einen eigenen Staat. Wladimir Putin hat den Militäreinsatz auf der Krim bereits absegnen lassen.

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Der Chef der ukrainischen Marine hat der prorussischen Regionalregierung auf der Halbinsel Krim seine Gefolgschaft zugesagt. Dies gab Admiral Denis Beresowski am Sonntagabend persönlich auf einer Pressekonferenz im Hauptquartier der russischen Schwarzmeerflotte auf der Krim bekannt. Beresowski war erst am Freitag vom neuen ukrainischen Übergangs-Präsidenten Alexander Turtschinow zum Kommandant der Marine ernannt worden.

Die Riegerung in Kiew reagierte promt und enthob ihn seines Kommandos. Ihm wird Hochverrat vorgeworfen. Die Ukraine will ihn deswegen anklagen. Beresowski habe sich geweigert, gegen die Russen zu kämpfen und das Hauptquartier in Sewastopol aufgegeben, teilte der stellvertretende Sekretär des Sicherheitsrates der Ukraine mit.

Soldaten werden zum Überlaufen motiviert

Auf einer Radarstation auf der umfehdeten Halbinsel forderten russische Kräfte die stationierten Soldaten dazu auf, sich auf die Seite der "rechtmäßigen" Führung der Krim zu schlagen. Die Soldaten griffen zu dort gelagerten Pistolen, Gewehren und Munitionsvorräten und transportierten sie ab. Ähnliches ereignete sich auch bei einem Ausbildungszentrum der ukrainischen Marine im Hafen von Sewastopol.

Laut Moskauer Medien sind ukrainische Soldaten massenhaft übergelaufen. Sie hätten sich den neuen pro-russischen Machthabern auf der Krim angeschlossen. Selbst ernannte Selbstverteidigungskräfte hatten die Autonome Republik unter ihre Kontrolle genommen. Der moskautreue Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow hatte sich zudem mit der russischen Schwarzmeerflotte verbündet.

Krim-Russen wollen eigenen Staat

Die Schwarzmeer-Halbinsel Krim soll nach Vorstellung der neuen pro-russischen Führung künftig als eigener Staat existieren. Das teilte Krim-Parlamentschef Wladimir Konstantinow der Agentur Interfax zufolge am Sonntag in Simferopol mit.

Bei einem Referendum sollen die mehrheitlich russischsprachigen Krim-Bewohner demnach über eine Abspaltung von der Ukraine entscheiden. Die Volksbefragung solle eine Antwort darauf geben, ob der bisherige Status der Autonomen Republik in den eines Staates umgewandelt werde. Das Unabhängigkeits-Referendum ist für den 30. März geplant.

Außerdem ziehen Bewaffnete durch die Grenzregion. Zudem berichtete der Gouverneur der russischen Region Belgorod, Jewgeni Sawtschenko, Interfax von dem Versuch bewaffneter Gruppen, am Samstag die Verbindungsstraße zwischen Moskau und der Krim an der russisch-ukrainischen Grenze zu blockieren. "Bewaffnete Leute streifen in der Gegend umher (...) das ist wirklich sehr beunruhigend", erklärte Sawtschenko.

Auch die auf der Krim befindlichen Österreicher haben den Ernst der Lage erkannt und sind von der Krim abgereist. Von den 150 in der gesamten Ukraine aufhältigen Österreichern seien ein Großteil jener, die sich auf der Halbinsel aufgehalten haben, bereits geflüchtet, wie das Außenministerium auf Anfrage von "Heute.at" mitteilte.

Große Besorgnis im Westen

Die Ukraine befürchtet einen Krieg mit seinem übermächtigen Nachbarn Russland. "Wenn Präsident Putin der Präsident sein will, der einen Krieg zwischen zwei benachbarten und befreundeten Ländern, zwischen der Ukraine und Russland, begonnen hat, dann ist er von diesem Ziel nur noch ein paar Zentimeter weit entfernt", sagte Interims-Regierungschef Jazenjuk. "Wir befinden uns am Rande der Katastrophe."

Das Land hat die NATO um Unterstützung gebeten. Der NATO-Rat wird noch am Sonntag in Brüssel über die Lage in der Ukraine beraten. Die Botschafter der 28 NATO-Staaten wurden einberufen.

Die USA werfen Moskau die Verletzung der ukrainischen Souveränität und des Völkerrechts vor. US-Präsident Barack Obama führte ein 90-minütiges Telefonat mit Wladimir Putin. Die USA forderten Russland zum Truppenabzug auf und sprachen sich für den sofortigen Einsatz internationaler Beobachter aus.

Putin stellt klar: Russland wird Interessen verteidigen

Russland werde seine Interessen im Osten der Ukraine und auf der Krim verteidigen, kündigte Putin auch in den Gesprächen mit Obama, Kanadas Regierungschef Stephen Harper, Frankreichs Präsident Francois Hollande und UN-Generalsekretär Ban Ki-moon an.

Der ukrainische Politiker und Ex-Boxchampion Vitali Klitschko hat unterdessen zu einer Lösung des Konflikts mit Russland ohne Blutvergießen aufgerufen. Ukrainische Politiker versuchten derzeit, einen konstruktiven Dialog mit den russischen Machthabern aufzubauen, sagte Klitschko nach Angaben seiner Partei Udar (Schlag). Angesichts der Spannungen auf der Krim warnte Klitschko vor einem Auseinanderbrechen der Ukraine. Russlands Drohung eines Militäreinsatzes sei eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Ex-Sowjetrepublik und eine Gefahr für die territoriale Einheit des Landes.

Der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine lässt derzeit sämtliche Reservisten mobilisieren. Wie Rats-Chef Andrij Parubij am Sonntag sagte, wurde das Verteidigungsministerium angewiesen, alle benötigten Soldaten zusammenzurufen. Am Freitag hatte die neue Führung in Kiew bereits die Armee in Alarmbereitschaft versetzt.

Klitschko ruft zur Einheit auf

"Wir müssen alle Spekulationen um Separatismus beenden", sagte Klitschko, der am 25. Mai bei der Präsidentenwahl antreten will. Der Politiker rief seine Landsleute zur Ruhe und Einheit auf. In einem Appell an die Ukrainer in den russischsprachigen Regionen im Osten des Landes und auf der Krim sagte er, dass die Lage "künstlich" aufgeheizt worden sei. "Niemand hat jemals Eure Rechte begrenzen wollen", sagte Klitschko.

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