Eines der bekanntesten Kaffeehäuser Wiens macht vorübergehend dicht. Mit 16. März 2026 schließt das Café Central in der Herrengasse (City) für eine umfassende Generalsanierung. Das traditionsreiche Lokal im Palais Ferstel wird pünktlich zu seinem 150-jährigen Jubiläum renoviert.
Die Bauarbeiten sollen rund ein halbes Jahr dauern. Die Wiedereröffnung ist für Herbst 2026 geplant. Die Sanierung betrifft vor allem die technische Infrastruktur des Gebäudes. Nach rund vier Jahrzehnten intensiver Nutzung werden Heizung, Lüftung, Klima, Sanitär und Elektrotechnik vollständig erneuert. Auch Küchen- und Produktionsbereiche werden modernisiert.
"Mit der Renovierung des Café Central investieren wir in Qualität und Substanz und sichern damit den langfristigen Betrieb eines der bedeutendsten Traditionshäuser Europas", erklärt Verkehrsbüro-CEO Martin Winkler, Vorsitzender des Vorstandes. Seit 2011 betreibt das Verkehrsbüro das Café Central über seine Hospitality-Tochter Palais Events.
Die Arbeiten müssen besonders behutsam erfolgen. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, viele historische Elemente sollen erhalten bleiben. "Wir sichern die historische Identität des Gebäudes und realisieren zugleich eine umfassende technische Modernisierung im denkmalgeschützten Bestand", so Geschäftsführer Kay Fröhlich.
Neben der neuen Technik werden auch Arbeitsabläufe optimiert, Lagerflächen erweitert und energieeffiziente Lösungen umgesetzt. "Gleichzeitig bleibt die Seele des Hauses unangetastet. Das Café Central wird auch künftig genau jenes Ambiente bieten, das unsere Gäste aus aller Welt so schätzen", betont Fröhlich.
Ein wichtiger Teil des Projekts ist die Restaurierung der historischen Einrichtung. Dazu zählen aufgearbeitete Thonet-Stühle, erneuerte Stoffe des Traditionsunternehmens Backhausen sowie restaurierte Luster. Für die Umsetzung ist Architekt Peter Klein (A.C.C. Ziviltechniker) verantwortlich.
"Das Palais Ferstel ist selbst eine Zeitkapsel", so Klein. "Betritt man das Gebäude und besonders das Café oder die alten Börsesäle scheint die Zeit nicht nur stehen geblieben, sondern man glaubt sogar in die Vergangenheit zurückgetreten zu sein. In den nächsten Monaten haben wir vor, diese Zeitkapsel auch für weitere Generationen in dieser Form erlebbar zu erhalten."
Ganz auf die Kaffeehaus-Atmosphäre müssen Gäste während der Bauarbeiten aber nicht verzichten. Für die Übergangszeit eröffnet mit dem "Decentral" auf der Freyung eine Pop-up-Dependance des berühmten Cafés. Auch die Belegschaft bleibt weitgehend erhalten: 135 Mitarbeiter arbeiten während der Renovierung in anderen Betrieben von Palais Events weiter. 17 Lehrlinge setzen ihre Ausbildung ebenfalls fort.
Seit seiner Eröffnung 1876 zählt das Café Central zu den bekanntesten Kaffeehäusern Europas. Um 1900 wurde es zum Treffpunkt der Wiener Moderne. Schriftsteller und Denker wie Sigmund Freud, Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal oder Leo Trotzki gehörten zu den Stammgästen.