Die Lage in Ceuta scheint sich nicht zu entspannen: Nach dem Massenandrang von Migranten ist die Lage für die angekommenen Kinder in der spanischen Exklave an der Grenze zu Marokko nach den Worten des örtlichen Präsidenten "absolut unhaltbar".
Derzeit liege die Auslastung der Aufnahmezentren für Minderjährige in Ceuta um 2600 Prozent über der Kapazitätsgrenze, sagte der Präsident von Ceuta, Juan Jesús Vivas, am Mittwoch dem spanischen Fernsehen. Er schätzte die Zahl der Minderjährigen auf etwa 1100.
Ceuta habe "keinerlei zusätzlichen Platz" und stehe unter "sehr starkem Druck", die Minderjährigen aufzunehmen, sagte der Präfekt der Region, Miguel Ángel Pérez Triano. Nach Angaben des Präfekten hat die spanische Polizei bislang 528 Minderjährige registriert, die anschließend in Aufnahmeeinrichtungen weitergeleitet wurden.
Die Nichtregierungsorganisation Save the Children hatte am Montag auf die Überbelegung der Aufnahmezentren für Kinder hingewiesen. Sie erklärte, dass in Ceuta derzeit etwa 1000 Kinder betreut würden - und damit weit mehr, als das System mit seinen etwa 100 Plätzen eigentlich ermögliche.
Ceutas Präsident bat den Rest Spaniens um Hilfe bei der Bewältigung der Situation der Minderjährigen. "Ceuta befindet sich in einer extrem prekären Lage, und wir rufen um Hilfe." Dem spanischen Recht zufolge müssen sich die übrigen Regionen an der Aufnahme von Minderjährigen aus besonders stark betroffenen Gebieten beteiligen. Dies stößt aber auf Widerstand bei Regionen, die von der oppositionellen konservativen Volkspartei PP regiert werden - teilweise zusammen mit der rechtsextremen Partei Vox.
Zahlen der spanischen Regierung zufolge hatten in der vergangenen Woche rund 72.000 Menschen Ceuta teils schwimmend erreicht, die meisten kehrten inzwischen nach Marokko zurück. Am Dienstag befanden sich demnach noch rund 2000 dieser Migranten in Ceuta. 79 Menschen kamen laut den spanischen Angaben ums Leben. Marokkos Innenministerium sprach am Sonntag in einer ersten offiziellen Reaktion von elf Toten.