Until Dawn: Ein schrecklich schöner Horror-Schocker

Supermassive Games hat mit dem PlayStation-4-exklusiven Until Dawn ein in mehrerer Hinsicht außergewöhnliches Game vorgelegt.
Zwar orientiert sich Until Dawn an bekannten Teenie-Slashern und bietet damit (vermeintlich!) storymäßig nichts Neues, geht aber beim Gameplay und dem Spieleerlebnis teils völlig innovative Wege, die wenig mit "Wohlfühl-Zockerei" zu tun haben. Ob es uns die Gänsehaut aufgestellt hat und wir uns gehörig gegruselt haben, lest ihr in unserer Review!

Man nehme eine Gruppe junger Leute, würze die Story mit einem furchtbaren Erlebnis in der Vergangenheit, füge eine schaurige Umgebung hinzu und garniere das Ganze mit einer gehörigen Portion Emotion und einer gruseligen Bedrohung. So weit, so bekannt – "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast", "Scream" oder "Halloween" haben es mit Erfolg vorgezeigt, wie massentauglicher Horror funktioniert. Ohne zu viel von der Story verraten zu wollen: Die Einflüsse auf Until Dawn sind nicht zu verleugnen.

Und seien wir mal ehrlich: Auch wenn die Filme gruselig und kurzweilig waren, so haben wir uns doch meist über die eine oder andere Handlungsweise der Protagonisten geärgert. Damit ist bei Until Dawn Schluss, denn hier darf der Spieler beweisen, wie geschickt er dabei ist, seine gejagten Spielfiguren durch Bedacht und Schnelligkeit am Leben zu erhalten. Acht sind es nämlich an der Zahl, die sich im Film-Spiel in einer unheimlichen Berghütte treffen, die eine grauenvolle Geschichte in sich birgt.

Schreien oder laufen, angreifen oder verstecken?

Until Dawn wirft den Spieler nicht einfach in ein Game, sondern versteht es, Spannung aufzubauen und eine Beziehung zu den acht Charakteren herzustellen. Liebevoll werden diese in einer ebenfalls spielbaren Vorgeschichte präsentiert. Spannend: Der Zocker entscheidet schon zu diesem Zeitpunkt mit je zwei Wahlmöglichkeiten, ob sich die Gruppe harmonisch zusammensetzt oder selbst von Konflikten geprägt ist. Soll ich dem verliebten Pärchen zeigen, dass seine Beziehung doch nicht ganz so super ist? Oder lieber schweigen? Sage ich dem Ex meiner Partnerin, dass er mir unsympathisch ist oder mach ich gute Miene zum Wochenendausflug? Jede dieser Wahlmöglichkeiten bestimmt, was die acht Charaktere für einander fühlen und in welcher Beziehung sie miteinander stehen.

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Hat man endlich die Berghütte bezogen, schleicht da in der Schneelandschaft der pure Horror herum, der das Leben jedes einzelnen Gruppenmitglieds bedroht. Die Entscheidungen klingen anfangs nebensächlich, haben aber zum Teil später gewaltige Auswirkungen im Spiel. Umso mehr ist Nachdenken gefragt: Lieber in einer dunklen Ecke verstecken oder Angriff als beste Verteidigung versuchen? So jagt man von Schockmoment zu Schockmoment durch das Spiel und muss manchmal erkennen, dass die kleine Entscheidung von vor ein paar Stunden gerade einer der Spielfiguren das Leben gekostet hat. Oder auch allen.

Oft gibt es kein "richtig" oder "falsch"

Neben den Horror-Elementen der Story setzen manche Handlungsweisen den Zocker auch emotional unter Druck und stellen ihn vor eine Entscheidung, bei der es kein "richtig" oder "falsch" gibt. Und manchmal ist sogar "Nichts tun" die beste Lösung. Das Gameplay selbst gestaltet sich dabei unkompliziert und lenkt wenig von der spannenden Story ab. Filmsequenzen wechseln nahtlos zu Spielszenen, in denen man mit einem der Charaktere die Hütte oder Umgebung erkundet. Und bei Action-Einlagen gilt es, schnell die passende Taste zu drücken, um etwa gefahrlos Hindernisse zu überwinden. 

Was Until Dawn im Gegensatz zu vielen Horror-Filmen extrem gut kann ist, die Spannung aufrecht zu erhalten. Es muss nicht einmal der irre Psychopath hinter einem her sein, damit es dem Zocker schaurig schön die Nackenhaare aufstellt. Ein Knacken der Äste im Wald, ein blitzschnell den Weg kreuzendes Tier, ein Schatten oder nur die nervenaufreibende Violinenmusik lassen im Dunkeln ziemlich schaudern. Wer den Horror abschütteln kann, wird sich über liebevoll gestaltete Landschaften, die realistische Darstellung der Charaktere, beeindruckende Details wie die Fußspuren im Schnee und auch die eine oder andere Komik-Einlage freuen.

Spielspaß über Stunden

Until Dawn ist aber nicht nur ein grafisches und erzählerisches Meisterwerk. Bei ersten Durchzocken kann man gut und gerne 15 Stunden einplanen. Was wir dann garantieren können: Das Spiel werdet ihr auch danach garantiert nicht weglegen. Durch den Schmetterlingseffekt bietet nämlich jede einzelne Handlungsmöglichkeit einen anderen Story-Verlauf – bei hunderten Wahlmöglichkeiten kann man so gut und gerne von kleinsten Story-Änderungen bis zu einer gänzlich neuen Geschichte schätzungsweise Dutzende verschiedene Storylines erleben. Deswegen nehmen wir die 15 Stunden mal als Grundlage und gehen von einer tatsächlichen Spielzeit von 100 Stunden und mehr aus. Schließlich mischt sich ja auch der Ehrgeiz ein, mit dem wir alle acht Charaktere retten wollen. Oder, ja wir geben es zu, die lästigen Gruppenmitglieder loszuwerden versuchen, um unseren Liebling unbeschadet durch das Spiel zu geleiten...



Wir waren anfangs nach den ersten Videos und Infos zu Until Dawn mehr als skeptisch. Umso beeindruckter müssen wir nun gestehen: Until Dawn ist nicht nur der bisher beste Titel des Jahres, sondern ein Geniestreich des Horror-Genres. Dabei zeigt das Spiel von Supermassive Games gut, welche Lücke sich spielemäßig seit "Resident Evil" sowie "Silent Hill" und filmemäßig seit den Horror-Klassikern der 70er- und 80er-Jahre aufgetan hat. Bleibt zu hoffen, dass sich mehr Entwickler diesem Genre widmen und den Horror in ihre Machwerke zurückbringen. Und wenn das nur einige davon so gut wie die Macher von Until Dawn schaffen, dann stehen uns einige schlaflose Nächte bevor. Denn die hat uns das Game – im absolut positiven Sinn – reichlich beschert. (kao)

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