Seit mehr als 100 Jahren ist die Urania Sternwarte in der City ein Fixpunkt für alle, die in Wien einen Blick in den Himmel werfen wollen. 1910 öffnete sie erstmals ihre Kuppel – damals noch mit einem Zeiss-Refraktor und angetrieben von der Idee, Wissenschaft für alle zugänglich zu machen.
Der Zweite Weltkrieg brachte einen herben Rückschlag: 1944 wurde die Anlage durch eine Bombe fast völlig zerstört. Erst Jahre später konnte sie wieder aufgebaut werden. Seitdem wurde die Sternwarte laufend modernisiert und ist heute Teil der Wiener Volkshochschulen.
Jetzt steht der nächste große Schritt an. Das bestehende Teleskop aus dem Jahr 1980 ist technisch in die Jahre gekommen. Deshalb wird ein neues Spiegelteleskop mit 60 Zentimeter Durchmesser angeschafft – doppelt so groß wie bisher. Damit können künftig deutlich mehr Details im All erkannt und auch lichtschwächere Objekte beobachtet werden.
Doch der Austausch ist alles andere als einfach, wie der Chef der astronomischen Einrichtungen der Wiener Volkshochschulen, Michael Feuchtinger, dem ORF erklärt. Die Urania hat nämlich ein sogenanntes Doppelfernrohr, das aus einem Spiegel-Fernrohr und einem Linsen-Fernrohr besteht. "Das Linsenfernrohr erhalten wir, und das Spiegelfernrohr tauschen wir aus."
Doch damit nicht genug. Das neue Teleskop bekommt auch eine ganz frische Montierung. Damit das klappt, muss es aber erst aus der Kuppel raus – und das ist eine echte Herausforderung.
"Denn das gesamte Teleskop wiegt insgesamt zwei Tonnen, das kann man nicht einfach durch das Stiegenhaus tragen", sagt Feuchtinger. Deshalb wird extra ein Kran aufgestellt, der das Teleskop durch den Spalt in der Kuppel – also den Beobachtungspunkt – heraushebt. Ganze 30 Meter über dem Donaukanal schwebt das schwere Gerät dann durch die Luft.
"Das neue Fernrohr hat den doppelten Spiegeldurchmesser", schildert Feuchtinger. Damit kann es viel mehr Licht sammeln und sorgt so für eine bessere Sicht bei der Beobachtung. Außerdem wird eine moderne Steuerung eingebaut. "Das heißt, man kann mit dem Teleskop viel besser hantieren und Objekte viel schneller anfahren."
Da die Adaptierung einige Zeit in Anspruch nimmt, schließt die Urania Sternwarte Anfang Mai, die Wiedereröffnung ist für den Spätherbst 2026 geplant. Während der Schließzeit werden Renovierungsarbeiten in den Räumlichkeiten der Sternwarte stattfinden.
Die Mechanik der Kuppel wird saniert, die Dichtungen werden getauscht, die Beleuchtung wird auf LED umgerüstet und die Kuppel innen frisch gestrichen. Während der Schließzeit wird ein Ersatzprogramm mit mobilen Teleskopen auf der Dachterrasse der Urania bzw. in der Kuffner Sternwarte angeboten.