Werden wir heuer das Meer gar nicht mehr sehen?

Norbert Draskovits, Geschäftsführer der Flughafen Linz GmbH, im Interview mit "Heute".
Norbert Draskovits, Geschäftsführer der Flughafen Linz GmbH, im Interview mit "Heute".Bild: Flughafen Linz

Norbert Draskovits (60) ist Geschäftsführer der Flughafen Linz GmbH. "Heute" sprach mit ihm über das Fliegen bzw. Nicht-Fliegen in Corona-Zeiten. Und wie der Flughafen dabei wegkommt, wenn kein Urlauber wegkommt.

"Heute": „Solange es keine Impfung (…) oder wirksame Medikamente gibt, so lange wird es auch die uneingeschränkte Reisefreiheit, wie wir sie kennen, nicht geben." Das sagte Kanzler Kurz vor wenigen Tagen. Werden wir heuer also Sonne, Strand, Meer gar nicht mehr sehen?



Norbert Draskovits: Das glaube ich nicht, weil die Reisebeschränkungen von Land zu Land unterschiedlich sind. Das hängt von der jeweiligen Virussituation vor Ort in den Zielländern ab. Die Regierungen geben unterschiedliche Reisebeschränkungen, das ist richtig. Aber ich denke, dass diese sukzessive gelockert werden. Das Jahr ist ja noch lange, wir haben ja erst April. Das ist meine Einschätzung.

Wann wird wieder ein Urlaubs-Flieger von Linz aus starten?

Wir sind da in engem Kontakt mit den Reisebüros und den Reiseveranstaltern. Nach Ostern wird entschieden, ob Flüge im Mai gehen oder eben nicht. Und Ende April wird über den Monat Juni entschieden werden. Warum wird das schrittweise gemacht? Weil man abwarten will, wie sich die Reisebeschränkungen entwickeln. Zur Zeit ist die Situation so: Die Mai-Linienflüge von AUA und Lufthansa sind bei uns noch im System. Ob das so bleiben wird, werden wir in zwei Wochen sehen. Ähnlich ist es auch bei den Ferienflügen.

Wie lange halten die Airlines das durch?

Die ersten Pleiten gab's bereits, in Skandinavien zum Beispiel. Das wird von Airline zu Airline unterschiedlich sein. Wir in Linz haben vier sehr gute Partner – nämlich die AUA, die Lufthansa-Gruppe, die Corendon und die Bulgarian Air Charter. Alle vier haben uns versichert, dass heuer noch Flüge stattfinden werden. Aber wann, das ist offen.

Ein paar Zahlen zum Flughafen Linz: 174.526 Passagiere nutzten den Flughafen Linz im Jahr 2019 für ihre Urlaubsreisen. Im Linienflugverkehr reisten 2019 255.565 Gäste. Im Frachtverkehr erzielte der Flughafen ein Aufkommen von 46.797 Tonnen. Foto: Matthias Lauber

Welche Auswirkungen hat Corona auf den Linzer Flughafen?

Wir haben die Passagierzahlen auf einem Niveau zwischen 400.000 und 500.000 stabilisiert. Wir haben die Strecken, die für uns wichtig waren, ausgebaut. Was den Passagierbereich anbelangt, hat uns Corona jetzt natürlich nach hinten geworfen. Allerdings: Was den Frachtbereich anbelangt, sind wir zwar mengenmäßig etwas niedriger als im Vorjahr. Aber in Anbetracht der momentanen Situation, darf man mit dieser Entwicklung nicht unzufrieden sein. Allerdings kann damit natürlich das Endergebnis nicht ausgeglichen werden. Der Flughafen hat in den vergangenen Jahren immer positive Ergebnisse geschrieben. Einen großen Anteil daran hatten die Passagierzahlen. Und wenn diese, so wie momentan, quasi auf Null gehen, dann hat das natürlich negative Auswirkungen auf das Ergebnis. Der Frachtbereich kann das zwar – wie gesagt – nicht ausgleichen, aber er kann zur Stabilisierung beitragen.

Wird die Corona-Krise das Reiseverhalten der (Ober-)Österreicher generell verändern? Werden wir weniger fortfliegen, mehr daheim urlauben?

Ich glaube, das wird unterschiedlich sein. Zweit- oder Drittreisen, etwa nach Paris oder London, um dort ein Wochenende zu verbringen, wird es weniger geben. Der Ferienflugbereich, also der reine Sommerurlaub, ist hingegen ein fixer Jahresbestandteil. Und den werden wir auch künftig am Meer verbringen. Wir gehen davon aus, dass 2021 der Sommerurlaub wieder normal stattfinden wird.



Wurden Sie heuer auch schon zum "Corona-Reise-Opfer"? Sprich: Mussten Sie auch eine Reise canceln?

Ich sollte eigentlich zur Zeit in Thailand sein. Die Reise war gebucht, Flug und Hotel. Den Flug habe ich bereits rückerstattet bekommen, die Kosten fürs Hotel noch nicht. Aber die werden auch retour kommen. Ich kann nur jedem Konsumenten empfehlen, ein bisserl zuzuwarten, sich mit seinem Reisebüro in Verbindung zu setzen. Und mit dem dann abklären, wie gegebenenfalls eine Umbuchung, eine Stornierung oder eine Rückerstattung zu erfolgen hat.

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