Am Mittwoch läuft der neue Film von Ursula Strauss, in dem es um sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz geht. Mit Prolls Aussagen geht die Mimin nicht konform, bezeichnet sie als "zynisch". Sie sei auch betroffen, so Strauss.
Nina Prolls Argumente zum aktuellen Aufreger-Thema #notmeversteht Ursula Strauss nicht. Sie zählt sich eindeutig zur Befürworterin der Gruppe #metoo.
Sie selbst sei auch Opfer von Übergriffen gewesen, einmal auch im Beruf im Alter von 19 Jahren: "Die Schauspielerei ist ein sehr körperlicher Beruf, da stellt sich zum Beispiel die Frage, wie man auf einen Busen greift. Muss man so fest hinpacken, dass es wehtut?"
Wie es der Zufall so will, läuft kommenden Mittwoch um 20.15 Uhr in ORF2 der neue Film von Ursula Strauss ("Meine fremde Freundin"), in dem es genau um dieses Thema geht. Um sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, um das Ausnützen eines Machtverhältnisses. Der "Standard" sprach mit Strauss über den Film und über Nina Proll.
Sexueller Missbrauch sei eine große Verletzung. Die Zeit, in der Frauen gleichberechtigter sind, ein eigenes Konto haben dürfen, selbst bestimmen dürfen, welchen Beruf sie ausüben – das gebe es noch keine Jahrtausende, so die Schauspielerin.
"Nina Prolls Aussage ist zynisch"
Ursula Strauss zur Aussage Nina Prolls, sie wäre in 20 Jahren Schauspiel-Szene nie sexuell belästigt worden:
"Ich freue mich für sie. Nur, was sagt sie damit den Frauen, die nicht so stark sind, die sich nicht selbst beschützen können? Die in Machtstrukturen gefangen sind, aus denen man nicht mit einem Nein ausbrechen kann? Ihre Aussage ist kontraproduktiv und zynisch geschrieben. Ich denke, eine der Schwierigkeiten daran ist: Wenn man als Mensch, der eine gewisse Reichweite hat, einen Beitrag zu einem so heiklen Thema in der Öffentlichkeit zur Diskussion stellt, dann sollte man sich vorher genauer überlegen, wie man welche Inhalte transportiert."
"Frauen boten meinem Mann Blowjob an"
Nina Proll zog das Thema im Ö3-"Frühstück bei mir" am Sonntag übrigens noch weiter und brachte Beispiele ihres Ehemannes Gregor Bloéb aufs Tapet: "Wie oft ist mein Mann schon auf Veranstaltungen angesprochen worden, ob er nicht Lust auf einen ‚Blow Job' hat. Das ist ja in Ordnung, sie können ja ihr Glück versuchen. Ich sehe meinen Mann auch als Opfer sexueller Gewalt, ich habe immer scherzhaft gesagt: Warum postest du nicht #meto? Weil er hat zehnmal mehr mitgemacht als ich."
Film dreht sich um Vergewaltigungsvorwurf
Was Ursula Srauss über ihren Film, der das heiße Thema behandelt, noch erzählt: "Das hat mir an der Arbeit mit Stefan Krohmer so gut gefallen, weil es bei ihm dieses Schwarzweißdenken nicht gibt. Es gibt keine Verhaltensregeln, die genau besagen, so ist es erlaubt und so nicht. Jeder Mensch ist ein einzigartiges Universum für sich. Irgendwann geht es in dem Film nicht mehr um die Vergewaltigung, sondern um die Tatsache, dass ein übergriffiger Mann einfach an die falsche Frau geraten ist, und es geht um die Beziehung zwischen den Frauen. Die Geschichte funktioniert ja nur, weil die andere da ist, die Freundin, die begierig ist nach etwas Aufregung in ihrem Leben, die helfen will und ein Helfersyndrom hat. Valerie Niehaus sagte den schönen Satz: "Wir geben so oft unsere Integrität auf zugunsten von Harmonie." Das beschreibt so viel in diesem Film.
(man)