In Ägypten kommt es weiterhin zu heftigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Protestbewegung will den regierenden Militärrat zum Rückzug zwingen und rief zum "Millionen-Marsch" am Dienstagnachmittag auf. Der Vorsitzende des Militärrats, Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi, kündigte in einer Fernsehansprache die Wahl eines neuen Präsidenten bis spätestens Ende Juni 2012 an.
. Die Protestbewegung will den regierenden Militärrat zum Rückzug zwingen und rief zum "Millionen-Marsch" am Dienstagnachmittag auf. Der Vorsitzende des Militärrats, Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi, kündigte in einer Fernsehansprache die Wahl eines neuen Präsidenten bis spätestens Ende Juni 2012 an.
Auf dem Tahrir-Platz in Kairo haben in der Nacht auf Dienstag etwa 20.000 Demonstranten ausgeharrt. Rund 38 Oppositionsgruppen haben zum Massenprotest aufgerufen. Die Aktivisten wollen mit der Besetzung des riesigen Rondells in der Innenstadt den Militärrat zwingen, die Verantwortung an eine zivile Regierung zu übergeben. Sie fürchten, dass die Generäle des Militärrates dauerhaft an der Macht festhalten wollen.
Nach Angaben von Medizinern wurden am Dienstagmorgen bei Zusammenstößen mit der Polizei mindestens 20 Demonstranten verletzt. Die Ärzte haben eine provisorische Klinik in der Nähe des Tahrir-Platzes eingerichtet, um Verletzte dort zu behandeln. Einige seien mit Gummigeschoßen im Gesicht getroffen worden, laut Aktivisten führe aber vor allem der massive Tränengas-Einsatz der Polizei zu Verletzungen.
Mysteriöses Tränengas
Beobachter berichten von Tränengas-Einsätzen im Minutentakt - das Gas soll zudem um ein vielfaches stärker sein, als zu Beginn der Proteste im Jänner. "Viele sind durch das Inhalieren des Gases bewusstlos geworden", schrieb ein Augenzeuge auf Twitter. Dutzende andere bestätigten das: "Die Leute am Rande des Tahrir-Platzes kollabieren durch das Gas", schreiben sie, oder auch: "Dieses Gas ist definitiv ein stärkeres als zuvor."
Sogar von Todesfällen ist die Rede. Ein zehn Monate altes Mädchen, das dieses Gas eingeatmet hat, ist ums Leben gekommen.
Im Internet wird spekuliert, ob Gas in stärkerer Konzentration eingesetzt werde und ob es sich um sogenanntes CS- oder das potentere CR-Gas handelt. Da auf Fotos von leeren Kartuschen "Made in USA" vermerkt ist, haben Aktivisten nun die USA, Unterstützer der Revolution, aufgefordert, den Verkauf von Tränengas an Ägypten zu verhindern, berichtet Spiegel Online.
ORF-Experte eingenebelt
Auch ORF-Korrespondent Karim El-Gawhary wurde Opfer eines solchen Einsatzes. Er berichtet auf seiner Facebook-Seite: "Diese sogenannten Tränengasgranaten, die auf dem Tahrir eingesetzt werden, sind ein Teufelszeug." Kurz vor einer Live-Schaltung sei eines von diesen Dingen vor seinen Füßen gelandet: "Innerhalb von weniger als einer Minute war mir schwarz vor Augen, ich bekam keine Luft mehr und Panik. Irgendwie wurde ich dann von der Masse rausgetragen."
Auch er bestätigt die US-Herkunft der Granaten: "Das ist übrigens die US-Firma, die die Dinger an die ägyptische Polizei liefert, als eine Art Demokratisierungsbeitrag von Übersee. Ich wüsste gerne, was das für eine Art Gas ist. Das ist die US-Firma in Jamestown, Pennsylvania, die auf der Hülle steht", so El-Gawhary.
Fernsehansprache erwartet
Der Vorsitzende des Militärrats, Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi, kündigte in einer Fernsehansprache an, dass bis spätestens Ende Juni 2012 ein neuer Präsident gewählt werden soll. Er äußerte die Bereitschaft, wenn nötig die Macht sofort abzugeben, sollte das in einem Referendum beschlossen werden.
Auf dem Weg zur Demokratie werde es keine Rückschritte geben, versprach Tantawi und betonte zugleich, der Zeitplan zur Übergabe der Verantwortung werde eingehalten. Auch die Parlamentswahlen sollen wie geplant am Montag beginnen. Dem hat der Militärrat seinen Angaben nach zugestimmt. Eine neue Übergangsregierung soll bald gebildet werden.
Er kritisierte, dass Ägypten wegen der unsicheren Lage viele Investoren verloren habe. Die derzeitigen Angriffe auf den Militärrat seien nicht gerechtfertigt und würden dem Land schaden, so Tantawi weiter. Während der Rede von Tantawi formierten sich weitere Proteste in Suez und in Alexandria, zudem waren Zehntausende am zentralen Tahrir-Platz in Ägypten.