Trotz fluguntauglich hob Flieger mit Kind nach USA ab

Die verzweifelte Mutter zitterte am Airport Wien-Schwechat
Die verzweifelte Mutter zitterte am Airport Wien-SchwechatLenger
Das Drama um eine Vierjährige wird zum Politikum: Denn die Kleine soll fluguntauglich sein, dennoch hob der Flieger ab.

Am Donnerstagmorgen wurde die Türe von Julia E. (43) in Mautern aufgebrochen, Gerichtsvollzieher und Beamte nahmen die vierjährige Tochter mit - mehr dazu hier. Nachbar Helmut war Augenzeuge: "Zehn Personen waren an der Aktion in der Früh beteiligt. Es war schlimm. Sowas kann doch niemals im Interesse des Kindes sein."

Die 43-jährige Krankenschwester setzte sofort alle Hebel in Bewegung, eilte zum zuständigen Bezirksgericht Krems und zur Jugendwohlfahrt. Doch die Behörden konnten der Mutter nicht weiterhelfen, also hastete die 43-Jährige zum Flughafen Wien-Schwechat. 

Bangen am Airport

Dort hatten sich bereits solidarische Frauen versammelt, um gegen die Rückführung des Kindes lautstark zu protestieren - alles dazu hier. Mit dem Mute der Verzweiflung versuchte die Mutter zu ihrer Tochter zu gelangen, Polizisten mussten beruhigen. Schließlich zückte die Mutter ein Attest einer Fluguntauglichkeit des Kindes. Das Attest wurde auch einer zuständigen Flughafen-Mitarbeiterin übergeben.

Kurz nach 13 Uhr wurde fix zugesagt, dass das Kind jetzt geholt werden würde, kurz nach 13.30 Uhr kam die niederschmetternde Nachricht: "Das Kind hat eingecheckt, sitzt im Flieger nach München (via München nach USA) und das Flugzeug hebt in zehn Minuten ab." Mittlerweile hat das Flugzeug laut Anwältin Astrid Wagner abgehoben.

Abflug mit Trick

Die Mutter kurz vor 14 Uhr zu "Heute": "Es ist eine Katastrophe, mein Kind sitzt im Flieger nach München. Und von München geht es dann um 16 Uhr weiter nach San Francisco. Die zuständige Airline darf mein Kind nicht mitnehmen, es ist fluguntauglich." 

Ein Augenzeuge ergänzt: "Es war moralisch ein Wahnsinn. Vor etlichen Zeugen wurde der Mutter gesagt, dass man die Tochter jetzt hole und in der Zwischenzeit hob der Flieger ab."

Der Streit um die Obsorge der Vierjährigen zwischen Mutter (43) in NÖ und Vater (42) in Kalifornien tobt bereits seit Jahren. Beide Elternteile hatten die alleinige Obsorge beantragt - die 43-Jährige beim Kremser Gericht, der Vater bei einem kalifornischen Gericht. Und da das Kind in den USA geboren worden ist, ist das kalifornische Gericht zuständig. 

"Ein Kind, kein Paket"

Laut Anwältin Astrid Wagner ist man beim Landesgericht Krems offenbar der Ansicht, dass verfassungsrechtlich verankerte Grundrechte, insbesondere auf körperliche und seelische Unversehrtheit und das Kindeswohl, außer Betracht zu bleiben haben, um eine formal juristische Entscheidung notfalls mit dem Einsatz von Körperkraft durchzusetzen. "Das ist kein Gegenstand, sondern ein menschliches Wesen. Es ist kein Paket, sondern ein Kind", so die Advokatin.

Die Rechtsanwältin überlegt den Gerichtsvollzieher anzuzeigen und weitere Schritte zu setzen: "Da gehe ich bis nach Straßburg", so Wagner.

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