Vaginismus - wenn die Scheide verschlossen bleibt

Ein Scheidenkrampf beeinträchtigt Sexualität und Partnerschaft, vor allem aber kann er extrem wehtun und die Psyche belasten. Wir erklären, was Vaginismus ist und wo du Hilfe findest.

Schmerzen beim Sex, Tampons benutzen unmöglich, beim Frauenarzt tut die Untersuchung weh: Wenn du das schon einmal erlebt hast, dann leidest du vielleicht unter Vaginismus. Eine Krankheit, bei der sich die Beckenbodenmuskulatur und die Vagina unwillkürlich verkrampfen, die aber behandelbar ist.

Was ist Vaginismus?

Man kennt den Vaginismus auch als "Scheidenkrampf". Und so fühlt es sich auch ungefähr an: Wenn irgendetwas in die Vagina eingeführt wird, sei es beim Sex, oder ein Tampon während der Periode oder eine Untersuchung beim Gynäkologen, macht der Eingang dicht. Das kann ziemlich wehtun, oft geben Betroffene irgendwann jeglichen Versuch auf.

Neben dem Vaginismus gibt es außerdem auch die Vulvodynie, der oft im Zusammenhang damit auftritt. Die Schmerzen sind dabei sehr ähnlich, sitzen aber in den Schamlippen statt in der Scheide. In beiden Fällen verhindert oft Scham eine Behandlung.

Frauen gehen in die Öffentlichkeit

Allerdings kann eine sexuelle Funktionsstörung sehr stark das Selbstbild als Frau und auch die Partnerschaft belasten, weshalb es auf jeden Fall ratsam ist, sich mit ihr auseinanderzusetzen.

Eine der ersten Frauen, die mit ihrer Krankheit in die Öffentlichkeit ging, um auch anderen Frauen Mut zu machen, war die Amerikanerin Lara Parker. Die junge Frau leidet seit ihrem 15. Lebensjahr an Endometriose, Vaginismus und Vulvodynie. Auf Buzzfeed beschrieb sie vor zwei Jahren ihr Leben mit den Schmerzen, worüber auch Heute.at berichtete.

Jungfrau bis 30

Inzwischen melden sich immer mehr Frauen in der Öffentlichkeit zu ihrem Leiden, darunter auch Petek Tatli. Die Türkin litt 15 Jahre lang an der Krankheit und blieb deshalb bis zu ihrem 30. Lebensjahr Jungfrau, wie sie dem "Mirror" erzählte. Durch ihren Entschluss, daran etwas ändern zu wollen und die Hilfe von Ärzten und Psychotherapeuten, führt die inzwischen 38-Jährige mit ihrem Partner Johanne heute ein erfülltes Sexleben.

Wie wird Vaginismus behandelt?

Sprich in erster Linie mit deiner Frauenärztin darüber. Das Ziel der Behandlung ist, die reflexartige Verkrampfung der Scheidenmuskulatur zu mindern. Eine Verhaltens- oder Psychotherapie in Kombination mit Dehnübungen kann dabei helfen. Zur Dehnung kommen sogenannte Dilatatoren zum Einsatz. Mit diesen glatten, konisch geformten Stäben in verschiedenen Größen soll die Scheide langsam an das Einführen gewöhnt werden.

Die Therapie des Vaginismus erfordert viel Geduld, da eine vorsichtige Herangehensweise von großer Bedeutung ist. Die Patientin lernt langsam und schrittweise, dass Geschlechtsverkehr ohne Angst und Schmerzen möglich ist.

Umfassende Informationen zum Thema Vaginismus findest du unter anderem auf der deutschen Seite www.vaginismus-selbsthilfe.de.

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