Van der Bellen hält bärige Rede bei Klimakonferenz

Was für eine süße Idee! Während seiner Rede auf der 25. UN-Klimakonferenz in Madrid hielt Bundespräsident Van der Bellen einen Eisbären aus Stoff in die Höhe. Die Geschichte dahinter.
Schon vor Beginn der Konferenz, die am Montag eröffnet wurde, hatten Hilfsorganisationen vor Millionen Flüchtlingen durch klimabedingte Katastrophen gewarnt. Zum Start gab es dann flammende Appelle für mehr Klimaschutz. "Wir müssen endlich zeigen, dass wir es ernst meinen damit, den Krieg gegen die Natur zu beenden", formulierte es etwa UN-Generalsekretär Guterres drastisch. "Wenn wir nicht schnell unseren Lebensstil ändern, gefährden wir das Leben an sich."

Insgesamt werden 29.000 Teilnehmer in Madrid erwartet, auch viele Staats- und Regierungschefs. Einer von ihnen ist seit Montag dort: Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Er überraschte bei seiner Rede mit einem Stoff-Eisbären als Symbol für den Klimawandel. Er skizzierte zwei Szenarien für die Welt in 30 Jahren – eines mit Klimaschutz und eines ohne (siehe Volltext der Rede weiter unten). Den Eisbären will Van der Bellen nach der Konferenz dem kleinen David zum Geburtstag schenken. Der Sohn einer Mitarbeiterin wird diese Woche sechs Jahre alt und habe beim Anblick der Kristallluster in der Hofburg gemeint: "Wir müssen Strom sparen, sonst sterben die Eisbären."

Am Dienstag soll Klimaaktivistin Greta Thunberg in Madrid eintreffen. Sie war bis vor Kurzem in den USA. Von dort wollte sie nach Santiago de Chile reisen, wo der Gipfel ursprünglich stattfinden hätte sollen. Wegen der Unruhen in Chile wurde er aber nach Madrid verlegt.

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Van der Bellens Klima-Appell im Wortlaut



"Das ist ein Eisbär. David, der Sohn einer Mitarbeiterin, war kürzlich bei uns im Büro. Als er die Kristallluster in der Wiener Hofburg sah, glänzten seine Augen. Aber er sagte auch zu mir: 'Wir müssen Strom sparen, sonst sterben die Eisbären.' David hat diese Woche Geburtstag. Er wird sechs. Sicher ist er schon ganz aufgeregt. Ich werde ihm diesen Eisbären schenken. David denkt schon jetzt darüber nach, wie die Welt aussehen wird, wenn er groß ist.

Wird Davids Welt so aussehen? Wenn er mitten im Leben steht, 2050, also in 30 Jahren. David hat vielleicht selbst zwei Kinder, lebt in Wien. Es ist aber nicht mehr das Wien seiner Kindheit. Die Stadt ist mittlerweile monatelang brütend heiß. Viele Bäume haben die Hitze nicht überlebt. Als Kind war David im Winter oft rodeln. Seine Kinder kennen Rodeln nur aus Papas Geschichten.

Oder wird Davids Welt so aussehen? Die Wiener Luft ist frei von Feinstaub. David ist meist mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Sie wurden flächendeckend ausgebaut. Autos fahren längst nur mit Elektroantrieb. Die Temperaturen steigen im Sommer nur selten über 35°. Wien ist viel grüner als in Davids Kindheit. Neue Bäume bringen Schatten in die Stadt und kühlen sie. Das letzte Kohlekraftwerk hat schon längst zugesperrt. Aus Ölkonzernen sind Sonnenkonzerne geworden.

Meine Damen und Herren! Es ist nicht Schicksal, wie David und die anderen Kinder leben werden. Es ist schlicht und einfach unsere Entscheidung. 2020 ist das Jahr, in dem wir uns entscheiden müssen. 2020 ist das Jahr, in dem wir unsere nationalen Klimapläne nachbessern müssen. Und ab da darf es mit den klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen nur mehr in eine Richtung gehen: Nach unten! Nach unten!

Meine Damen und Herren! Sie alle sind, so wie ich, Entscheidungsträger. Staatsoberhäupter, Regierungschefs, Minister, Diplomaten, Regierungsbeamte. Sie entscheiden für Ihr Land. Und Sie alle haben wahrscheinlich Kinder oder Enkelkinder, die Sie lieben. So wie ich. Bitte denken Sie an diese Kinder, wenn Sie für Ihr Land entscheiden. Denn unsere Kinder werden später auch an uns denken. Daran, was wir getan haben. Oder was wir nicht getan haben. Wenn ich David diesen Eisbären schenke, werde ich ihm sagen, dass viele Erwachsene alles tun werden, um auf diesen Planeten aufzupassen."



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