Van der Bellen zieht in den Gemeinderat ein

Es kann als eine Art politisches Comeback bezeichnet werden: Der grüne Ex-Bundessprecher und nunmehrige Nationalratsabgeordnete Alexander Van der Bellen (68) wird für die Wiener Grünen in den Gemeinderat einziehen. Das teilte eine Klubsprecherin am Donnerstagvormittag mit.

Van der Bellen tritt damit die Nachfolge von Sigrid Pilz an, die mit Anfang Juli Patientenanwältin wird und somit aus dem Stadtparlament ausscheidet. Nähere Details werden am Donnerstagvormittag in einer eilig anberaumten Pressekonferenz verkündet. Van der Bellen hatte sich im Vorfeld der Wien-Wahl 2010 für die Grünen via Vorzugsstimmenwahlkampf engagiert - mit großem Erfolg.

Trotzdem wechselte der grüne Professor nicht in den Gemeinderat, sondern blieb im Hohen Haus. Allerdings wurde er zum Sonderbeauftragten der Stadt für Universitäts-und Wissenschaftsangelegenheiten bestellt. Das brachte sowohl den Rathaus-Ökos als auch Van der Bellen selbst u.a. den Vorwurf der Wählertäuschung ein. Nun wird Van der Bellen schließlich doch noch in den grünen Reihen des Wiener Gemeinderats Platz nehmen.

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Steckbrief Alexander van der Bellen

Jetzt also doch: Alexander Van der Bellen wechselt vom Nationalrat in den Wiener Landtag bzw. Gemeinderat. Das Ticket dafür hat der ehemalige Bundessprecher der Grünen bei der Wien-Wahl 2010 gelöst. Er schaffte es damals, sich mittels rund 12.000 Vorzugsstimmen vom unwählbaren 29. Platz auf die Spitze der Landesliste zu schieben. Auf einen Wechsel in das Wiener Stadtparlament verzichtete er jedoch zunächst - was ihm beträchtliche Kritik einbrachte.

"Go, Professor, Go" - So lautete ein T-Shirt-Slogan von Fans Van der Bellens im Wiener Wahlkampf. Und der Weg führte tatsächlich ins Rathaus, wenn auch nicht in die Riege der Mandatare. Stattdessen wurde der 68-Jährige mit dem neu geschaffenen Amt des Sonderbeauftragten der Stadt für Universitäts-und Wissenschaftsangelegenheiten betraut. Den Vorwurf der "Wählertäuschung" bekam er daraufhin des öfteren zu hören.

Dass der Professor nun spät wechselt, passt ins Bild. Denn auch seine politische Karriere startete der gebürtige Wiener nicht übermäßig früh. "Entdeckt" wurde der Volkswirtschaftsprofessor vom grünen Urgestein Peter Pilz. 1992 kandidierte er für die Grünen für das Amt des Rechnungshofpräsidenten, 1994 wurde er Nationalratsabgeordneter. Drei Jahre später trat er schließlich sein Amt als Bundessprecher an - damals mit dem Ziel, "die Partei endlich einmal von dieser existenzbedrohenden Vier-, Fünf-Prozent-Marke wegzubekommen".

Im Laufe seiner elfjährigen Funktion als Bundessprecher ist Van der Bellen dies - neben der strukturellen Konsolidierung einer bis dahin stark zerstrittenen Bewegung - auch gelungen. Stand die Partei zu Beginn gerade einmal bei 4,8 Prozent, überholten die Grünen bei der Nationalratswahl 2006 mit elf Prozent knapp die FPÖ und wurden drittstärkste Kraft im Land. Dies war sein größter Erfolg. Beim Urnengang 2008 verlor die Ökopartei Stimmen, worauf der Professor das Handtuch warf, als Sprecher für Internationale Entwicklungen und Außenpolitik jedoch weiterhin im Parlament werkte. Seine womöglich größte politische Niederlage erlitt Van der Bellen im Jahr 2002, als die schwarz-grünen Koalitionsverhandlungen platzten.

Geboren wurde der humorige Wirtschaftsprofessor am 18. Jänner 1944 in Wien als Sohn einer estnischen Mutter und eines russischen Vaters. Aufgewachsen im Tiroler Kaunertal, absolvierte Van der Bellen das Volkswirtschaftsstudium in Innsbruck und unterrichtete als Uni-Professor sowohl in der Tiroler Hauptstadt als auch in Wien.

Was Van der Bellen auszeichnet ist sein - für Politiker eher ungewöhnlich - offener, sinnierender Stil. Seine längeren Nachdenkpausen bei Interviews sind fast schon legendär. Populär machte ihn seine Gabe, auch Andersdenkenden ernsthaft zuhören zu können und sein Humor mit Anflug von Ironie. Auch scheut sich Van der Bellen nicht, seinem Laster in der Öffentlichkeit zu frönen: Den Fußball- und Burgenlandfan trifft man oft auch mit Zigarette an.

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