Welt

Varoufakis schnitt Gespräche mit EU-Ministern mit

Heute Redaktion
14.09.2021, 14:36

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis hat offenbar Gespräche mit anderen EU-Finanzministern heimlich aufgezeichnet. Warum und wozu, hat der Ökonom noch nicht verraten. Nur soviel: Er werde sich an die Pflicht zur Verschwiegenheit halten.

In einem Nebensatz hat Varoufakis offenbar zu einer Reporterin der "New York Times" gesagt: Er habe Ende April beim Treffen der Eurofinanzminister in Riga heimlich Aufnahmen von einem Gespräch mit den Ressortchefs der Eurogruppe gemacht. Die Audio-Datei enthüllt aber keine Gemeinheiten oder Finten der Amtskollegen, vielmehr beweist sie laut Varoufakis, dass er von seinen Kollegen nicht als Spieler, Amateur oder Zeitverschwender beschimpft worden ist. Genau das war von zahlreichen Medien berichtet worden.
Veröffentlichen will der Wirtschaftsrebell die Gesprächsaufzeichnung aber nicht - aus Gründen der Vertraulichkeit. Nichtsdestoweniger kann man die Angelegenheit als Provokation gegenüber der EU werten, falls sie überhaupt stimmt.

Minimalreform am Weg?

In den mittlerweile monatelangen Verhandlungen um milliardenschwere Hilfskredite im Gegenzug für strikte Sparreformen könnte es indessen eine Wende geben. Die Finanzminister der Eurostaaten sind Brüsseler Diplomaten zufolge bereit, den Griechen erneut entgegenzukommen. Die Eurogruppe könnte das zweite Hilfsprogramm, das eigentlich am 30. Juni auslaufen soll, bis zum Herbst verlängern, wenn die Regierung umgehend zu einer Minimalreform bereit ist.

Zeit schinden

Entscheidet sich Athen bis Ende Mai zu dieser Minimalreform, könnte die Eurogruppe Anfang Juni einen Teilbetrag von vier Milliarden Euro aus dem laufenden Hilfsprogramm freigeben. Dieses Geld würde ausreichen, damit die Regierung im Juni und Juli ihre Schulden an den Internationalen Währungsfonds und die Europäische Zentralbank zurückzahlen kann. Sie würde damit Zeit für eine Renten- und Arbeitsmarktreform gewinnen, ohne die der IWF nicht zu weiteren Krediten bereit ist.

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