Vater erfriert auf Weg nach Hause im Schneesturm

Nach einer Panne mit seinem SUV ging er den Weg zu Fuß weiter. Kurz vor seinem Haus erfror er. (Symbolbild)
Nach einer Panne mit seinem SUV ging er den Weg zu Fuß weiter. Kurz vor seinem Haus erfror er. (Symbolbild)ENNIO LEANZA / Keystone / picturedesk.com
Als die Schneesturm-Warnung im US-Staat Virginia kam, wollte Jacob Whaley nur eines: nach Hause zu seinem zweijährigen Sohn. Er schaffte es nicht.

Die Angehörigen von Jacob Whaley machen der Polizeivon Louisa County im US-Staat Virginia schwere Vorwürfe: Hätten die Beamten schneller auf ihre Hilferufe reagiert, könnte der 34-Jährige heute noch am Leben sei. Whaley erfror in einem Schneesturm an der US-Ostküste, als er versuchte, sein Zuhause in der Nähe von Lake Anna zu erreichen. Er wollte zu seinem zweijährigen Sohn.

Am 3. Jänner war eine Sturmwarnung eingegangen. Der Automechaniker Whaley schloss darum seinen Laden etwas früher, stieg in seinen roten SUV, ein Dodge Durango. Die Türen und die Fensterscheiben waren mit Schnee bedeckt, er machte davon ein Foto und postete es auf Instagram.

Als er gerade losfahren wollte, bemerkte er, dass das Auto seines Chefs nicht mehr anspringen wollte. Whaley fuhr darum den Mann zuerst nach Hause, dann nahm er wieder die Hauptstraße Richtung Süden.

Leiche lag knapp drei Kilometer von seinem Haus entfernt

Knapp sieben Kilometer von Zuhause entfernt verlor Whaley die Kontrolle über sein Fahrzeug. Der Wagen stürzte eine Böschung hinunter, die Räder blieben im Schlamm stecken. Der 34-Jährige bemerkte zudem, dass sein Benzintank fast leer war. Bekleidet mit der schwarzen Arbeitshose und einem grauen Fleece-Pulli stieg er aus, er würde die Strecke zu Fuß gehen. Er war zuversichtlich, dass er das schafft. Seine dicke Winterjacke ließ er auf dem Beifahrersitz liegen. Ein fataler Fehler.

Die Wetterbedingungen verschlechterten sich rapide, es wurde dunkler. Im Schneegestöber verlor Whaley seine Orientierung. Um 20.46 Uhr schrieb er seiner Mutter eine Nachricht: "Ich habe mich verlaufen." Als sie ihren Sohn zurückrief, kam nur noch die Mobilbox.

Schwere Vorwürfe gegen Polizei

Um 21.12 Uhr alarmierte die Frau die Polizei. In einer Stellungnahme gab die Behörde am Montag bekannt, dass Beamte 20 Minuten nach dem Notruf der Mutter ausgerückt seien, um nach Whaley zu suchen. Man habe Straßen und Nebenstraßen kontrolliert, in Spitälern nachgefragt. Auch ein Waldgebiet sei durchsucht worden, so die Beamten.

Whaleys Familie äußerte laut der US-Zeitung "Washington Post" dennoch den Verdacht, Jacob hätte früher gefunden werden können, wenn die Sheriff-Büros der Region nicht so lange über die Zuständigkeit für die Suchaktion diskutiert hätten. Jacob Whaleys Leiche wurde schließlich am 6. Jänner in einem Waldgebiet rund 190 Meter von einer Hauptstraße entdeckt. Er befand sich knapp drei Kilometer von seinem Haus entfernt.

Menschen saßen über 24 Stunden in ihren Autos fest

Der 34-Jährige ist wohl das einzige Todesopfer des schweren Schneesturms in Virginia, das sogar den Auto- und Lastwagenverkehr auf einer Autobahn 24 Stunden lang lahmlegte. Zahlreiche Menschen waren an jenem Tag in ihren Fahrzeugen auf dem gefährlich vereisten Highway I-95 festgesessen.

Auch US-Senator Tim Kaine, der aus seinem Heimatstaat Virginia zurück nach Washington D.C. fahren wollte, geriet in den Stau. "Ich habe meine normalerweise zweistündige Fahrt nach D.C. gestern um 13 Uhr begonnen. 19 Stunden später bin ich immer noch nicht im Kapitol", schrieb Kaine auf Twitter. Später teilte er mit: "Update: Ich war 27 Stunden lang unterwegs."

Nordosten der USA wappnet sich für Extremkälte

Derzeit kämpft der Nordosten der USA gegen klirrende Kälte und extrem tiefe Temperaturen. In Boston haben am Dienstag einige Schulen wegen der Extremkälte dichtgemacht oder ihren Start verschoben.

Meteorologen rechnen für Dienstag mit Höchsttemperaturen von rund minus elf Grad Celsius. Wie der nationale Wetterdienst mitteilte, kann es sich wegen der starken Winde allerdings wie minus 22 Grad anfühlen. Auch in anderen Teilen des Nordostens ist es extrem kalt. Im Westen des Staates Maine soll es durch Wind verursachte Temperaturen von bis zu minus 40 Grad geben.

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