Die Tour de France Femmes ist das wichtigste Radrennen des Jahres im Frauensport. Bei der Frankreich-Rundfahrt sind drei Etappen absolviert, am Dienstag steht das Einzelzeitfahren von Gevrey-Chambertin über 21 Kilometer nach Dijon auf dem Programm. Doch für Gesprächsstoff sorgt hingegen ein vermeintlicher Manipulationstrick.
Konkret geht es um einen angeblichen BH-Trick. So sollen mehrere Sportlerinnen gerade beim Einzelzeitfahren Polsterungen in ihrem Sport-BH anbringen, um die Form des Oberkörpers und damit auch die Luftströme zu verändern. Das soll aerodynamischer sein und hier einen Vorteil bringen. Mehrere Starterinnen sollen jedenfalls gegenüber "Wielerflits" aus den Niederlanden den brisanten Verdacht geäußert haben.
In dem Bericht erklärte der Aerodynamik-Forscher Bert Blocken von der Heriot-Watt University in Schottland die Auswirkungen des angeblichen Tricks: "Wir sprechen hier von einer Brustverkleidung, mit der man den Luftstrom um den Körper herum verändert und so den Überdruck auf die Oberschenkel verringert." Zwar würde dies den Fahrerinnen keine riesigen Zeitgewinne bringen, es könnten aber bei einem Einzelzeitfahren einige Sekunden zusammenkommen, "die entscheidend sein können", so Blocken.
Bei idealen Bedingungen könnte so ein Zeitgewinn von 0,78 Sekunden pro Kilometer drin sein. Das wären auf das Zeitfahren der Tour de France Femmes umgerechnet etwa 16 Sekunden.
An wen sich die Anschuldigungen richten, bleibt offen. Es soll allerdings nicht der erste derartige Vorfall gewesen sein. Bereits im Olympia-Zeitfahren 2024 oder beim Giro d'Italia standen jüngst ähnliche Praktiken im Raum. Vonseiten des Radsport-Weltverbands UCI ist das Anbringen derartiger Polsterungen freilich verboten, es werde allerdings nicht ausreichend kontrolliert, heißt es.
Nun fordern viele, dass weibliche Beauftragte der UCI nach dem Einzelzeitfahren die Fahrerinnen kontrollieren sollen. Tatsächlich wurden verschärfte Kontrollen angekündigt.