Ein schottischer Zweitligist verpflichtet am Deadline-Day einen Stürmer von einem schottischen Drittligisten. Eine Meldung, die eigentlich nicht der Rede wert ist. Wäre da nicht die dunkle Vergangenheit von David Goodwillie, den die Raith Rovers neu unter Vertrag genommen haben. Der 32-Jährige ist ein verurteilter Sexualstraftäter und gilt daher trotz seiner sportlichen Klasse als schwer vermittelbar auf dem Transfermarkt.
Die Raith Rovers müssen sich seit der Veröffentlichung des Transfers von Goodwillie mit einem regelrechten Sturm der Entrüstung auseinanderschlagen. Auf Twitter reagierten Fans und Gegner des Traditionsvereines emotional über den Zuzug von Goodwillie. Ein User bezeichnete den Zweitligisten sogar als "Rape Rovers".
Mehrere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Klubs legten aus Protest gegen die umstrittene Neuverpflichtung ihre Posten nieder. Neben dem Klub-Direktor und dem Fanbeauftragten verließ auch Tyler Rattray, der Captain des Frauenteams, den Verein. "Es ist entsetzlich, dass ich jetzt aufgegeben habe, weil so jemand verpflichtet wurde", schrieb Rattray auf Social Media und fügte an: "Aber damit will ich nichts zu tun haben."
Nichts mehr zu tun haben mit den Rovers will nun auch Val McDermid. Die Bestsellerautorin verkündete auf ihrem Twitter-Account, dass sie ihre lebenslange Unterstützung für den Klub wegen der "Verpflichtung des Vergewaltigers" per sofort einstelle und zudem ihr Trikot-Sponsoring beim Klub beende. "Bitte entfernt meinen Namen von der Liste mit den Sponsoren des Klubs", so McDermid, die zudem ankündete, ihre Dauerkarte für die Spiele ihres Herzensvereines zerreißen zu wollen.
Goodwillie galt einst als verheißungsvolles Talent und lief zwischen 2010 und 2011 sogar dreimal für die schottische Nationalmannschaft auf. 2017 verurteilte ihn dann ein Zivilgericht zu einer Geldstrafe von umgerechnet rund 150’000 Franken, weil er sechs Jahre zuvor gemeinsam mit einem damaligen Mitspieler bei Dundee United eine Frau vergewaltigt hat.
Der Fußballer bestritt die Tat und gab an, dass es sich um einvernehmlichen Sex gehandelt hätte. Der zuständige Richter glaubte aber der Darstellung des Opfers und befand, dass die Frau am Abend der Tat zu betrunken gewesen sei, um über einvernehmlichen Sex entscheiden zu können und sie daher vergewaltigt worden sei. Aufgrund mangelnder Beweise verzichtete die britische Justiz jedoch darauf, auch noch ein strafrechtliches Verfahren gegen Goodwillie zu eröffnen.
Der Fall Goodwillie schlug nach den emotionalen Reaktionen von McDermid und den entrüsteten Klub-Mitarbeitern und -Mitarbeiterinnen in Schottland so hohe Wellen, dass sich mittlerweile sogar die Regierungschefin des Landes einschaltete. Der Fall zeige, dass "unsere Gesellschaft noch einen langen Weg vor sich hat, um zu einer Null-Toleranz-Linie bei sexueller Gewalt zu kommen", verkündete die schottische Premierministerin Nicola Sturgeon.
Die Raith Rovers sahen sich nach dem Sturm der Entrüstung zu einem offiziellen Statement gezwungen und begründeten, wieso sie den umstrittenen Offensivspieler verpflichteten. Neben sportlichen Argumenten sei es dem Klub auch ein Anliegen gewesen, die Rehabilitierung von Goodwillie zu fördern, besonders, da er schon als junger Spieler für den Verein auflief.
Bei dem Heimspiel der Rovers am Dienstagabend gegen Queen of the South fehlte Goodwillie im Aufgebot des Teams offiziell wegen einer Verletzung. Vermutet wird aber, dass man ihn wegen der massiven Anfeindungen schützen wollte.