Prozess in Wien

Vergewaltigung in Hotel – "Bluterguss war Knutschfleck"

Zwei Ukrainer sollen eine Frau in einem Wiener Hotel vergewaltigt haben. Vor Gericht stand nur einer, der andere ist als Kämpfer zuhause an der Front.

Thomas Peterthalner
Vergewaltigung in Hotel – "Bluterguss war Knutschfleck"
Der Angeklagte (37) mit Verteidiger Klaus Ainedter
Denise Auer

"Wir flogen von Kiew nach Wien. Am Abend hatten wir Hunger, doch nichts hatte offen", erzählte ein Ukrainer Dienstag vor Gericht über einen folgenreichen Urlaubsabend im Jänner 2022. Der 37-Jährige und sein Bekannter (34) beschlossen, zu einem Würstelstand in der Wiener City zu gehen. Am Weg dorthin kamen sie mit einer Frau in der Rotenturmstraße ins Gespräch. Diese begleitete das Duo zu dem Imbiss, kam dann auch noch mit ins Hotel. Dort soll es dann zu einer Vergewaltigung gekommen sein – so der Vorwurf gegen den Ukrainer (37), sein mitangeklagter Landsmann war wieder nicht erschienen. Er kämpft im Krieg in der Ukraine, ist nicht greifbar. Gegen den 34-Jährigen soll nun gesondert verhandelt werden.

Ukrainer will Vorfall verschlafen haben

Der 37-jährige Bau-Manager wehrte sich gegen die Vorwürfe, bekannte sich "nicht schuldig". "Mein Bekannter und die Frau wollten noch ein Bier im Zimmer trinken", so der Angeklagte. Er sei müde gewesen, habe sich hingelegt und sei sofort eingeschlafen. In der Früh hätte ihm sein Bekannter erzählt, er habe mit der Frau einvernehmlichen Sex in der Dusche und dann am Boden des Hotelzimmers gehabt. "Alles hat normal ausgeschaut. Mitbekommen habe er nichts, mitgemacht schon gar nicht. "Ich schlafe sehr tief."

Frau fixiert und vergewaltigt

Laut Staatsanwalt ist der Abend angeblich völlig anders verlaufen. Die Frau soll laut Anklage im Hotelzimmer von einem Verdächtigen zuerst an der Wand und dann am Boden fixiert, der andere soll sie missbraucht und vergewaltigt haben. Sie habe Hämatome an Hals und Intimbereich gehabt, berichtete der Staatsanwalt. Die Blutergüsse würden nicht von einer körperlichen Auseinandersetzung sondern "vom Knutschen" stammen, meinte Verteidiger Klaus Ainedter. "Es sind Knutschflecken", ließ er aufhorchen. Die Zeugin habe auch mehrmals ihre Aussagen korrigiert, stellte er die Glaubwürdigkeit der Frau in Frage.

Bist du von Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe
Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555
Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247
Rat auf Draht: 147
Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20
Polizei-Notruf: 133

"Hotel mit 10 Sternen bewertet"

Das betroffene Hotel hatte die beiden Ukrainer mit einem Sperrvermerk belegt, sie dürften dort nicht mehr übernachten. "Warum?", wollte die Richterin wissen. Der Angeklagte gab sich ahnungslos. Er habe nicht "Party gemacht", alles sei in Ordnung gewesen. Das Hotel habe er auf einer Buchungsplattform jedenfalls mit 10 Sternen bewertet.

Streit mit Schöffin

Die Verhandlung verlief mitunter etwas turbulent. Die Richterin warf eine Mutter mit Baby aus dem Saal. "Kleine Kinder haben hier keinen Zutritt." Dann lieferte sich Verteidiger Ainedter ein Wortgefecht mit einer der beiden Schöffinnen. Er meinte, die Frau solle ihr "ablehnendes Verhalten" einstellen. "Ich habe eine Mimik und bin eben ein Mensch und keine Statue", reagierte die Laienrichterin schlagfertig. Ein Urteil stand Dienstagabend noch aus, denn der Prozess wurde vertagt. In der nächsten Verhandlungsrunde soll dann der Zweitangeklagte per Zoom aus der Ukraine zugeschaltet werden.

1/79
Gehe zur Galerie
    <strong>17.06.2024: Grundfalsch: Schweinefleischfreie Schulküche in Wien.</strong> Die IGGÖ wurde verurteilt, weil eine Lehrerin ihr Kopftuch abgelegt hatte und diskriminiert wurde. <a data-li-document-ref="120042623" href="https://www.heute.at/s/grundfalsch-schweinefleischfreie-schulkueche-in-wien-120042623"><em>"Heute"</em>-Kolumnist Niki Glattauer äußert sich dazu &gt;&gt;&gt;</a>
    17.06.2024: Grundfalsch: Schweinefleischfreie Schulküche in Wien. Die IGGÖ wurde verurteilt, weil eine Lehrerin ihr Kopftuch abgelegt hatte und diskriminiert wurde. "Heute"-Kolumnist Niki Glattauer äußert sich dazu >>>
    picturedesk.com

    Auf den Punkt gebracht

    • Ein Ukrainer steht in Wien vor Gericht, angeklagt der Vergewaltigung einer Frau in einem Hotel
    • Sein Mitangeklagter ist nicht erschienen, da er als Kämpfer in der Ukraine tätig ist
    • Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe und behauptet, den Vorfall verschlafen zu haben, während der Staatsanwalt behauptet, die Frau sei fixiert und vergewaltigt worden
    • Die Verhandlung verlief turbulent, mit einem Streit zwischen dem Verteidiger und einer Schöffin – ein Urteil steht noch aus
    pet
    Akt.