Verliebter (19) fuhr Amok, verletzte drei Polizisten

Um seiner Herzensdame zu imponieren, brach ein Wiener in ein Hotel ein, stahl einen A6, raste der Polizei davon, verletzte drei Beamte. Bilanz: Ihr Herz nicht gewonnen, dafür eine Haftstrafe.

Das Herz eines 19-jährigen Wieners spielte wegen einer jungen Frau verrückt, der Verstand des jungen Mannes setzte für einige Tage völlig aus. Hier die unfassbare Liebesgeschichte mit tragischem Ende, für die sich der 19-Jährige am Freitag vor dem Wiener Landesgericht wegen Einbruchs, Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, Widerstandes gegen die Staatsgewalt, Betruges, Sachbeschädigung und anderen Delikten verantworten musste.

Der gebürtige Wiener und im Bezirk Tulln wohnhafte 19-Jährige fand die Stimmung in seinem Wohnort nicht so toll und beschloss daher spontan Ende März für einige Tage in ein Hotel in Klosterneuburg zu übersiedeln. Der Arbeitslose ohne Führerschein hatte kein Geld, täuschte aber vor, flüssig zu sein, räumte im Zimmer auch die Minibar aus. Großzügig lud er eine Bekannte ins Hotel ein, verliebte sich binnen weniger Tage in die junge Frau. Die Frau seines Herzens offenbarte ihm aber, dass sie in Deutschland verlobt sei und nach Deutschland müsse. Daraufhin randalierte er im Hotelzimmer, ruinierte Teile der Einrichtung.

Einbruch, dann A6 gestohlen

Am Morgen des 5. April beschloss der 19-Jährige seine Bekannte nach Deutschland zu chauffieren - kein leichtes Unterfangen ohne Auto, Führerschein und jegliche Fahrpraxis (Anm.: laut Angeklagtem hat er davor noch nie einen Pkw gelenkt). Davon ließ sich der junge Mann aber nicht aus der Ruhe bringen, brach ins Büro des Hotels ein, riss den Wandtresor heraus, konnte diesen aber nicht öffnen und nahm den Geldschrank einfach mit.

Dann suchte er gezielt nach einem Wagen, welchen er leicht stehlen konnte und wurde wirklich fündig: Bei einem weißen Audi A6, unweit des Klosterneuburger Hotels, war der Kofferraumdeckel leicht offen, der Noch-Teenager (Anm.: wird noch im Sommer 20) gelangte ins Wageninnere, im Handschuhfach lag der Reserveschlüssel und schon konnte die (am Anfang noch nicht) wilde Fahrt nach Deutschland losgehen.

Mit der Angebeteten am Beifahrersitz fuhr der junge Lenker Richtung Autobahn. Als sie dann ihm gegenüber betonte, dass er aber nur ein Freund sei, legte sich beim 19-Jährigen laut eigenen Aussagen "ein Schalter um". Er beschleunigte, fuhr rücksichtslos, missachtete Verkehrszeichen und andere Verkehrsteilnehmer. Am Handelskai verständigten Zeugen schließlich die Polizei.

Mittelfinger für Polizei

Kurz darauf verfolgten den Lenker mit gebrochenem Herzen mehrere Streifenwagen, der junge Gasfuß flüchtete unbeirrt, überfuhr Sperrlinien und rote Ampeln, gefährdete Fußgänger (darunter einen Mann mit Stock). Der 19-Jährige, der später im Verhör angab "einfach zu viele Filme zu schauen" bemerkte das enorme Polizeiaufgebot, gedachte aber keine Sekunde daran aufzugeben und zeigte den Beamten lieber den Mittelfinger.

Dann ging die lebensgefährliche Fahrt Richtung A22, mehrere Fahrzeuglenker mussten abrupt abbremsen oder ausweichen. Laut eigenen Angaben beschleunigte der unroutinierte Lenker bis auf Tempo 222. Schließlich knallte er einem Streifenwagen ins Heck, drei Polizisten (Anm. ein Gruppeninspektor, eine Inspektorin sowie eine Vertragsbedienstete) wurden dabei verletzt. Der 19-Jährige setzte seine Flucht mit dem beschädigten Audi fort, zum Schluss lösten sich zwei Reifen von den Felgen - der 19-Jährige saß am Mittelstreifen der Autobahn in der Falle und wurde festgenommen ("Heute" berichtete).

Teilbedingte Haft

Heute musste sich der junge Raser am Wiener Landl für den ganzen Wahnsinn verantworten. Der große und recht hagere Angeklagte wurde in Handschellen vorgeführt und zeigte sich dabei geständig. Der renommierte Wiener Anwalt Andreas Reichenbach wies auf die Unbescholtenheit und das reuige Geständnis hin. Daher nur 18 Monate teilbedingte Haft, davon sechs Monate unbedingt (rechtskräftig). Das heißt: Der junge Mann bleibt noch eine Zeit lang Gast in der Justizanstalt Josefstadt – ohne Minibar und Ausflüge – und darf von seiner Liebsten träumen. Spätestens Anfang Oktober ist der dann 20-Jährige wieder ein freier Mann.

Detail am Rande: Das Objekt der Begierde, die junge Frau, erschien nicht als Zeugin vor Gericht, soll erstens schwanger (Anm.: nicht vom Angeklagten und auch nicht vom Verlobten in Deutschland) und völlig pleite sein. Sie meldete sich kurz vor Beginn des Prozesses beim Richter und meinte kleinlaut, sie habe nicht einmal das nötige Kleingeld für einen Fahrschein.

(Lie)

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