Es war das große Sommer-Rätsel: Mali Yahalomi (50) und ihre Tochter Liel (23) verschwanden während ihres Aufenthalts in Wien scheinbar spurlos. Die Handys der beiden waren zuletzt in der Nähe eines Wiener Bahnhofs geortet worden, rund zwei Kilometer von jener Airbnb-Wohnung entfernt, in der sie sich in Wien-Margareten aufgehalten hatten. Eine internationale Suche begann, Ermittler aus Österreich und Israel wurden eingeschaltet – wir berichteten.
Am Freitagabend wurden beide Frauen in einem Bus in Buenos Aires gefunden, sie wirkten überrascht. Israelischen Medienberichten zufolge dürften Mutter und Tochter ihr Verschwinden bereits rund einen Monat zuvor geplant haben – und sollen sogar die künstliche Intelligenz befragt haben.
Mali und Liel befragten Googles Gemini, wie sie unerkannt an einen anderen Ort ziehen könnten. Ermittler verschafften sich später Zugriff auf den Verlauf, wodurch die beiden aufgespürt werden konnten. Auch finanziell hatten sich die beiden auf ihr Verschwinden vorbereitet. Einen Tag vor ihrer Abreise aus Israel behob Mali rund 14.000 Euro in bar.
Den Ermittlern war demnach früh bewusst, dass hinter dem Verschwinden kein Verbrechen versteckte. Trotzdem wurde über den Fall eine Nachrichtensperre verhängt. Der Grund: Die Frauen sollten nicht erfahren, dass die Polizei ihre Pläne durchschaut hatte, und deshalb ihre Route nicht ändern.
Nach ihrer Reise nach Wien sollen die beiden ihre Spuren gezielt verwischt haben. Berichten zufolge führte ihr Weg unter anderem über Prag und Deutschland. In Prag sollen Mali und Liel ihrer Familie aus Tschechien ein Video geschickt haben, das zuvor in Wien aufgenommen worden war. Danach wurden ihre bisherigen Handys abgeschaltet. Sie benutzten ab da an neue Telefone, die sie nicht auf ihren Namen registriert hatten.
Für die Angehörigen sah es damit so aus, als hätte sich ihre Spur in Österreich verloren. Tatsächlich waren Mutter und Tochter zu diesem Zeitpunkt schon längst weitergereist. Den entscheidenden Hinweis erhielten die Ermittler schließlich in Deutschland. Sie fanden heraus, dass Mali und Liel einen Flug von Frankfurt nach Buenos Aires genommen hatten.
Daraufhin wurde ein Vertreter der israelischen Polizei in Südamerika eingeschaltet. Argentinische Polizisten stoppten schließlich jenen Bus, in dem die beiden unterwegs waren. "Hi Mali, hi Liel. Ich bin Walter, der Polizeivertreter in Südamerika, okay?", stellt er sich vor. Anschließend erklärt er ihnen, dass man sich große Sorgen um sie gemacht habe.
Bei der Befragung wollten die Ermittler vor allem wissen, ob die Frauen bedroht oder erpresst worden waren. Das bestritten beide. "Wir wollen uns einfach von der Familie, vom Land lösen", und schlicht "alles verlassen", werden Mali und Liel von israelischen Medien zitiert.
Nach einer kurzen Befragung stand für den israelischen Polizeivertreter fest: Die Frauen waren aus eigenem Willen verschwunden und befanden sich nicht in unmittelbarer Gefahr. Mali und Liel konnten ihre Reise fortsetzen.
Mutter und Tochter hatten offenbar noch größere Pläne. Es hieß, dass sich die Frauen falsche Reisepässe bestellt hätten und unter neuen Identitäten leben wollten. Das Verschwinden hatte zuvor auch in Österreich für großes Aufsehen gesorgt.
Während die internationale Suche lief, entstanden zahlreiche Spekulationen. Im Netz war von einer Entführung, Terrorismus und sogar einer angeblichen Veruntreuung die Rede. Weil Mali bei der Bank of Jerusalem arbeitete, geriet inmitten der Gerüchte sogar die Aktie des Geldinstituts unter Druck. Die Bank musste öffentlich versichern, dass keine Kundengelder abhandengekommen seien.
Auch für die Angehörigen dürfte die Auflösung des Falls ein Schock gewesen sein. Gleichzeitig sei die Erleichterung groß, dass beide wohlauf seien. Für die Suche war unterdessen eine beträchtliche Summe gesammelt worden. Eine Spendenaktion brachte laut israelischen Medien fast 300.000 Schekel zusammen, umgerechnet rund 80.000 Euro. Nach dem überraschenden Ende des Falls kündigten die Organisatoren an, das Geld an die Spender zurückzuzahlen.