Verschwundene Seiten von Riesenbibel gefunden

Friedrich Buchmayr mit Fragmenten der Riesenbibel.
Friedrich Buchmayr mit Fragmenten der Riesenbibel.Bild: Stift St. Florian/Kerschbaummayr
Die Riesenbibel in der Stiftsbibliothek St. Florian gilt als größte mittelalterliche Handschrift Österreichs, ist als Werk aber bislang nicht komplett. Jetzt wurden neue fehlende Fragmente gefunden.
Ihre Maße: 66 x 48 cm – damit gehört die Riesenbibel zu den größten Handschriften Österreichs, entstanden im Mittelalter. Aufbewahrt wird sie in der Bibliothek des Stifts St. Florian, wo auch mehrere tausende historisch-wertvolle Bücher aufgehoben werden.

In einer großen Reinigungsaktion durch Stiftsbibliothekar Friedrich Buchmayr und dem Kleriker Clemens Kafka wurden letztes Jahr im Sommer rund 15.000 Bücher im Archiv und in der Bibliothek gereinigt bzw. vom Staub befreit. Dabei machten die Männer eine überraschende Entdeckung.

So fand man die fehlenden Seiten

Als Einband "getarnt" wurden zwei fehlende Seiten der Riesenbibel gefunden. Das erste Fragment diente als Einband für eine Archivhandschrift aus dem Jahr 1594 und enthält eine Passage aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer (Röm 15,4-16,7).

Clemens Kafka mit Fragmenten der Riesenbibel.
Clemens Kafka mit Fragmenten der Riesenbibel.
"Die Überprüfung des Layouts gab den entscheidenden Hinweis auf die Riesenbibel", so Friedrich Buchmayr. "Der Text ist sowohl im Codex als auch beim Fragment auf zwei Spalten mit 45 Zeilen pro Seite aufgeteilt, die jeweils 15 cm breit und 48 cm hoch sind."

Das zweite Fundstück, mit dem Beginn des Buchs der Psalmen, fand sich als Einband auf einem Predigtbuch aus dem Jahr 1601.

Bislang nur wenige Fragmente gefunden

Ursprünglich dürfte die Riesenbibel drei Bände mit allen Büchern des Alten und Neuen Testaments umfasst haben. Erhalten blieb allerdings nur ein Einzelband. Von vielen verschwundenen Blättern sind im Laufe der Jahrhunderte bisher nur zwei Fragmente in Linz (OÖ Landesbibliothek) und in Wien (Österreichische Nationalbibliothek) aufgetaucht. Auch sie wurden als Einband verwendet.

Grund: Teile mittelalterlicher Handschriften wurden häufig für Einbände und Ausbesserungen neuerer Bücher herangezogen. Zu überprüfen, ob die beiden Fragmente tatsächlich zur St. Florianer Riesenbibel gehören, dauerte mehrere Monate. Auch diesen Sommer wird es wieder eine Abstaubaktion geben, erklärt das Stift.

Stift zeigt Riesenbibel bei Führung

Das Stift St. Florian zeigt die Riesenbibel, die sonst nie zu sehen ist, bei einer Führung am Sonntag, 30. Juni 2019, um 16 Uhr und 18 Uhr. Treffpunkt: Stiftshof beim Adlerbrunnen. Die neu entdeckten Fragmente sind im Rahmen der Stiftsführung ab sofort bis Ende August 2019 im Hauptsaal der Stiftsbibliothek zu sehen.

Infos zu den Führungen gibt's auf stift-st-florian.at

(cru)

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