VdB über Corona-Gegner: "Verstehe den Unmut nicht ganz"

Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit FFP2-Maske.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit FFP2-Maske.ROLAND SCHLAGER / APA / picturedesk.com
Das steigende Aggressionslevel in Österreich bereitet dem Staatsoberhaupt Sorgen, doch für den Unmut im Land hat er kein Verständnis.

Besonnenheit und Disziplin – dazu hatte Bundespräsident Alexander Van der Bellen zu Beginn der Pandemie immer wieder gemahnt. Auch als im Herbst der zweite Lockdown verhängt wurde, lautete sein Appell an alle Bürger: "Nicht unterkriegen lassen" (siehe Video unten). Im Interview mit der "Kronen Zeitung" zeigte das Staatsoberhaupt Verständnis für die steigende Pandemie-Müdigkeit in der Bevölkerung.

"Das geht mir auch so. Ein Jahr ist schon eine verdammt lange Zeit", so Van der Bellen. "Natürlich war es eine schreckliche Zeit für sehr viele von uns, vor allem für jene, die Angehörige verloren haben. Trotzdem ist nicht alles dunkel", sagte er in Hinblick auf die inzwischen entwickelten Impfungen. Sie sind auch für ihn das Licht am Ende des Tunnels.

Fall für VfGH

Doch das steigende Aggressionslevel und die vermehrten Demonstrationen im Land bereitet ihm Sorgen: Österreich befinde sich auf einer Gratwanderung zwischen Versammlungsfreiheit und dem Recht auf Gesundheit. "Die Frage ist: Geben wir ein bisschen was her vom einen Recht, um das andere Recht zu wahren? Diesen Konflikt müssen wir alle aushalten und im Ernstfall entscheidet der Verfassungsgerichtshof."

"Ich verstehe schon, dass manche Menschen mit dieser Gewichtung zugunsten des Rechts auf Gesundheit nicht einverstanden sind. Trotzdem müssen alle die Regeln einhalten. Wenn das nicht der Fall ist, muss die Polizei einschreiten."

Corona-Toter im Bekanntenkreis

Das Aggressionslevel in Österreich sei auf einem ganz anderen Niveau als etwa im Nachbarland Italien. Präsident Mattarella hätte ihm in einem Telefonat bestätigt, dass dort alles anders ist. "Vielleicht deswegen, weil der Schock von Bergamo, wo wir die Leichenwagen gesehen haben, noch tief sitzt", mutmaßt Van der Bellen.

Hier endet offenbar auch sein Verständnis für die Maßnahmen-Gegner: "Deshalb verstehe ich den Unmut vieler Menschen nicht ganz: Kennt nicht jede und jeder mittlerweile jemanden aus seinem Bekanntenkreis, der schwer krank geworden ist oder an Corona gestorben ist? Also ich schon."

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