Leiche 2 Stunden am Steg

"Viele Badegäste sind einfach liegen geblieben"

Nachdem ein Mann leblos aus dem Wörthersee geborgen worden war, blieb sein Leichnam ca. 2 Stunden lang auf einem Badesteg. Das sorgt für Diskussionen.
André Wilding
02.06.2026, 14:35
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Ein tragischer Todesfall im Strandbad Klagenfurt beschäftigt auch Tage später noch zahlreiche Besucher. Nachdem ein 66-jähriger Mann leblos aus dem Wörthersee geborgen worden war, blieb sein Leichnam rund zwei Stunden lang umgeben von Sichtschutz und Polizei auf einem Badesteg liegen – während viele Badegäste in unmittelbarer Nähe ihren Badetag fortsetzten.

Der Vorfall ereignete sich am Pfingstmontag bei sommerlichem Wetter und großem Besucherandrang. Badegäste bemerkten den Mann im Wasser und zogen ihn an Land. Sofort wurden Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet. Wasserretter, anwesende Ärzte und Rettungskräfte kämpften um das Leben des 66-Jährigen, konnten ihn jedoch nicht retten.

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Sichtschutzwände aufgestellt

"Es war ein medizinischer Notfall", erklärt Polizeisprecher Werner Pucher gegenüber der "Kleinen Zeitung". Nach dem Tod des Mannes errichteten die Einsatzkräfte Sichtschutzwände rund um den Bereich auf dem Steg. Ein Polizeiarzt sowie Beamte blieben vor Ort. Dennoch blieb der Verstorbene bis etwa 17 Uhr am Badesteg, ehe er schließlich abtransportiert wurde.

Genau das sorgt nun laut "Kleine Zeitung" für Diskussionen. Einige Besucher fragten sich, warum der betroffene Bereich nicht abgesperrt oder geräumt wurde. Laut den Einsatzkräften bestand jedoch keine Gefahrensituation. Zudem habe es keine sogenannten Gaffer gegeben. Eine Räumung des Stegs sei üblicherweise nur dann notwendig, wenn ein Rettungshubschrauber landen müsse.

Ein Polizist sieht die Verantwortung deshalb auch bei den Besuchern selbst: "Bevor man uns fragt, warum der Badesteg nicht abgesperrt wurde, muss man aber fragen, warum die Leute im Umfeld des Leichnams liegen geblieben sind?", heißt es in der Tageszeitung.

Die Reaktionen darauf fallen unterschiedlich aus. "Es war befremdlich, aber das muss jeder für sich entscheiden., ob er in dem Bereich bleiben will oder nicht", meint ein Anwesender gegenüber der "Kleinen Zeitung". Ein weiterer Beobachter sagt: "Vielleicht gehört der Tod einfach zum Leben dazu oder die Leute haben nicht richtig mitbekommen, was vorgefallen ist."

"Das war sehr berührend

Besonders bewegt zeigte sich eine Zeugin des Vorfalls. "Es waren Polizei und Rettung da und ein Sichtschutz, ich wusste, dort liegt ein toter Mensch und habe mir gedacht, da kann man doch nicht einfach so tun, als ob nichts wäre und liegen bleiben. Einige Leute sind aber einfach liegen geblieben, einige wenige haben sich umgelegt oder sind woanders hingegangen, so wie ich", erklärt die Frau gegenüber der Tageszeitung.

Die Frau zeigte sich auch beeindruckt vom Einsatz der Wasserrettung. "Ich habe gesehen, wie schnell und mit wie viel Entschlossenheit die Wasserretter zu dem Mann gelaufen sind und wie sie später mit gesenktem Kopf zurückgekehrt sind. Das war sehr berührend", wird die Zeugin in der "Kleinen Zeitung" zitiert.

Warum ein Verstorbener nach einer Bergung oft längere Zeit am Einsatzort bleibt, erklärt Polizeisprecher Pucher mit den gesetzlichen Abläufen. Bei Todesfällen im öffentlichen Raum müsse eine Kommission tätig werden. Kriminalisten, Juristen, Amtsarzt und Polizei seien eingebunden. Zudem müssten Identität und persönliche Gegenstände gesichert, Angehörige verständigt und Fremdverschulden ausgeschlossen werden.

"Wir haben uns an Abläufe zu halten"

"Bei einem Todesfall im öffentlichen Raum, muss eine Kommission einberufen werden, da gibt es ganz konkrete Abläufe, die einzuhalten sind und das dauert eine gewisse Zeit", so Pucher zur "Kleinen Zeitung".

Erst nachdem die Staatsanwaltschaft informiert wurde und keine weiteren Ermittlungsmaßnahmen erforderlich waren, konnte der Leichnam freigegeben werden. Anschließend brachte ein Bestattungsunternehmen den Verstorbenen vom Strandbad weg.

"Wir haben uns an Abläufe zu halten", betont Pucher. "Pietät zu wahren, liegt in so einem Fall immer an jedem Einzelnen."

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