Politik

Vier Kanzler: Hart bis smart

Heute Redaktion
14.09.2021, 13:19

Josef Kalina: Bis 2008 Kanzlersprecher, SP-Wahlkampfmanager. Heute führt er eine erfolgreiche PR-Agentur. Für "Heute" analysiert er die Kanzler seit Zeitungsstart.

Josef Kalina: Bis 2008 Kanzlersprecher, SP-Wahlkampfmanager. Heute führt er eine erfolgreiche PR-Agentur. Für "Heute" analysiert er die Kanzler seit Zeitungsstart.



Der Harte Wolfgang Schüssel wollte gestalten, hatte den eisernen Willen zur Macht: Egal wie, auch unter Bruch eigener Versprechen. Egal mit wem, auch mit Jörg Haider. Als Kanzler zog er durch, was ging. Koalitionspartner FPÖ filetierte er 2002, holte Grasser zur ÖVP, fuhr einen historischen Triumpf ein. Als die Unbeugsamkeit zur Erstarrung führte, straften ihn die Wähler ab: "Underdog" Alfred Gusenbauer bezwang 2006 den "Schweigekanzler".

Der Gescheite Gusenbauer wurde zu Beginn belächelt. Doch er hatte Substanz, stellte die SPÖ auf einen echten Oppositionskurs ein. Der wurde 2006 trotz BAWAG-Skandal belohnt: SPÖ wieder Erste, "Gusi" Kanzler. Der eigene Intellekt und der Mangel an Gespür dafür, wie man Menschen mitnimmt, standen ihm im Weg. Als er Pensionsreformen gegen heftige SPÖ- Widerstände durchdrücken wollte, war Schluss!
Der Weiche Schon im Wahlkampf 2008 setzte Werner Faymann auf "Genug gestritten". Mit "Ansagen" hielt er sich stets zurück, darunter litt auch seine Leadership. Doch er blieb, kam auch bei der Wahl 2013 auf Platz eins, verbrauchte gleich drei ÖVP-Obmänner. Als die Stimmung (auch in der Partei) drehte, kam das Ende.
Der Smarte Nach 100 Tagen ist zumindest eines sicher: Er wirkt authentisch. Der Wunsch nach Führung, nach Leadership ist spürbar, Kern bekommt eine große Chance: Seit Vranitzky und Klima hatte kein Kanzler mehr so hohe Sympathiewerte. Jetzt liegt’s an ihm, ob er den versprochenen "New Deal" auch liefern kann...

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