Ein Begräbnis, bei dem gesungen und getanzt wird, bei dem Luftballons in den Himmel steigen, passt so gar nicht zu dem, was man sich normalerweise unter Trauer vorstellt. Doch genau so einen besonderen Abschied zeigt Adrian Goiginger in seinem neuen Film "Vier minus drei". Der Film feierte gerade erst bei der Berlinale seine Weltpremiere und hat trotz des schweren Themas das Zeug dazu, zum Publikumsfilm des Jahres zu werden.
Die Szene rund um das Begräbnis zählt zu den berührendsten Momenten, die das österreichische Kino in letzter Zeit hervorgebracht hat. Hier bekommt die Trauer einen bunten, aber keineswegs kitschigen Ausdruck.
Im Mittelpunkt steht Barbara, die Hauptfigur, die sich von ihrem Ehemann Heli, einem begeisterten Clown-Artisten, und ihren beiden kleinen Kindern verabschieden muss. Ein tragischer Verkehrsunfall an einem Bahnübergang in der Steiermark reißt ihre Familie aus dem Leben.
Diese Katastrophe bildet den Auftakt des Films. Barbara selbst war früher als Klinik-Clown unterwegs, doch ihr Chef verwehrt ihr nach dem Unglück die Rückkehr in diesen Beruf. Das ist die eine Ebene des Films – das Danach, nach dem Minus im Titel "Vier minus drei". Gleichzeitig blickt die Geschichte in kurzen Rückblenden auf das Davor zurück: das Kennenlernen von Barbara und Heli, ihre ersten Schritte als Clownin und die gemeinsamen Momente mit den Kindern. In beiden Erzählsträngen spürt man sofort eine leise Spannung: Wie findet Barbara wieder zurück zu ihrer lebensbejahenden Art? Und wer waren die Drei, die sie begleitet haben?
Einen großen Anteil daran, dass "Vier minus drei" so stark wirkt, hat das Schauspielensemble. Allen voran Valerie Pachner, die schon vor Jahren für die Hauptrolle zugesagt hat. Inzwischen ist sie mit dem Terrence-Malick-Film "A Hidden Life" und einem kurzen Jedermann-Engagement ordentlich durchgestartet. In "Vier minus drei" trägt sie den Film durch alle Stimmungen und meistert auch die fordernden Clown-Auftritte. Unterstützung bekommt sie unter anderem von Robert Stadlober und Stefanie Reinsperger.
Regisseur Adrian Goiginger erzählt die Geschichte mit viel Feingefühl und weiß genau, wann es Brüche in der Emotionalität braucht. Die Tränendrüse ist schließlich empfindlich – zu viel Kitsch wäre genauso falsch wie zu viel Distanz. Nach seinem gefeierten Debüt "Die beste aller Welten" hat der Salzburger diesmal wieder eine Geschichte gefunden, die ihm perfekt liegt. Dazwischen gab es mit "Der Fuchs", der die Kriegsgeschichte seines Großvaters erzählt, und dem Musiker-Film "Rickerl" mit Voodoo Jürgens zwar weitere Erfolge, aber mit "Märzengrund" nach Felix Mitterer war auch ein weniger gelungener Versuch dabei.
Diesmal stimmt aber einfach alles. Die Vorlage ist echt und vor allem authentisch. Goiginger und Drehbuchautor Senad Halilbašić haben die erfolgreichen Memoiren von Barbara Pachl-Eberhart in ein dichtes Drama verwandelt. Es gelingt ihnen, trotz aller Dunkelheit auch Leichtigkeit und Hoffnung in die Geschichte zu bringen. Goiginger zählt damit zu den wenigen heimischen Regisseuren, die Anspruch und Publikum gleichermaßen im Blick haben.