Yevgen Cheberko hat einen Vierjahresvertrag beim LASK unterschrieben. Der Name ist wohl nur eingefleischtesten Fußball-Fans ein Begriff. Oder jenen, die in den vergangenen Wochen die Gerüchteküche aufmerksam verfolgt haben. Die Verpflichtung des ukrainischen U21-Teamspielers war ein offenes Geheimnis.
Die Linzer gaben mit Cheberko am Freitag ihren vierten Neuzugang für die kommende Saison bekannt. Während es bei den meisten Liga-Konkurrenten noch vergleichsweise ruhig zugeht, rüstet der Tabellenvierte der beendeten Bundesliga-Saison für den Saisonstart (11. September) auf.
Der LASK profitiert von den hohen Einnahmen aus dem Europacup. Die Linzer überwinterten in der Europa League, sind sogar noch im laufenden Bewerb vertreten. Das Achtelfinal-Rückspiel gegen Manchester United im Old Trafford steht noch aus. Die Aufsstiegschancen sind nach dem 0:5 auf der Gugl aber gleich null.
Allein durch die diesjährigen Prämien spielte der LASK mehr als zwölf Millionen Euro ein. Einnahmen, die den beiden Wiener Klubs und in Graz beispielsweise fehlen. Die härtesten Konkurrenten um die Rolle als Bullen-Jäger Nummer eins können daher in Zeiten der Corona-Krise auf dem Transfermarkt keine großen Sprünge machen. Nur der Wolfsberger AC kann, neben Salzburg, versteht sich, ebenfalls wegen stolzer Europacup-Einnnahmen (Gruppenphase Europa League) flexibler agieren.
Der europäische Geldregen tröstet Linzer Fans über das Chaos-Finish in der bis zum Frühjahr so glänzenden Saison hinweg. Den Grunddurchgang gewannen die Oberösterreicher mit sechs Punkten Vorsprung auf den späteren Meister Red Bull Salzburg. Diese sechs Punkte verlor der LASK auf dem grünen Tisch. Der Senat 1 verurteilte den Klub. Der Grund: Vier verbotene Mannschaftstrainings in der Corona-Pause und ein heimlich aufgenommenes Beweisvideo. Das Protestkomitee reduzierte die Strafe auf vier Zähler Abzug. Der bis dahin blendend aufspielende LASK, der trotz Doppelbelastung und Rotation in 22 Runden lediglich zwei Niederlagen kassiert hatte, war wie ausgewechselt, fiel hinter Salzburg, Rapid und Wolfsberg auf Rang vier zurück. Nach Saisonende folgte der nächste Knall: Trainer Valerien Ismael flog raus. Wie Vizepräsident Jürgen Werner durchblicken ließ, weil sich Spieler gegen ihn ausgesprochen hätten. Ex-Frauen-Teamchef Dominik Thalhammer kehrt zum Verein zurück und ist neuer Trainer und Sportdirektor.
Der 22-Jährige kommt ablösefrei vom Dritten der laufenden ukrainischen Meisterschaft, Zorya Lugansk. Er ist Stammspieler in der Innenverteidigung, wurde aber auch als Linksverteidiger und im defensiven Mittelfeld eingesetzt. Die Flexibilität ist in Linz gern gesehen. Im System der Linzer kommt es nicht selten vor, dass Spieler auf verschiedenen Positionen und in unterschiedlichen Rollen zum Einsatz kommen. Seit Sommer 2019 war er Kapitän des ukrainischen U21 Nationalteams.
Mit Mads Emil Madsen haben die Linzer jüngst ihren Rekordtransfer getätigt. Den dänischen U21-Teamspieler ließen sie sich 1,6 Millionen Euro Ablöse kosten. Der 22-Jährige ist im zentralen Mittelfeld beheimatet. Es könnte sich um den Nachfolger von Spielmacher und Standard-Spezialist Peter Michorl handeln. Der Star des Teams dürfte im Sommer den Sprung ins Ausland wagen, wird mit Teams wie Werder Bremen in Verbindung gebracht.
Lukas Grgic kehrt ablösefrei von WSG Tirol zum LASK zurück. Der 24-Jährige soll das Mittelfeld weiter stärken, spielt eine defensive Rolle. Damit wird er voraussichtlich mit Routinier James Holland um ein Stammleiberl kämpfen müssen.
Für die Offensive wurde Mamoudou Karamoko vom VfL Wolfsburg verpflichtet, wo Ex-LASK-Trainer Oliver Glasner keine Verwendung mehr für den Franzosen hatte. Die Ablöse für den 20-Jährigen ist nicht bekannt. Sein Marktwert wird auf 200.000 Euro geschätz, sein Vertrag lief noch bis 2021. Die Kosten für den Transfer dürften also überschaubar sein.
Mit Samuel Tetteh (Leih-Rückkehr zu Salzburg) und Joao Klauss (Leih-Rückkehr zu Hoffenheim) verliert der LASK zwei Angreifer. Gut möglich, dass es nicht bei den vier Neuverpflichtungen für den Profikader bleibt.
Beispielsweise wurde Andreas Gruber mit einem ablösefreien Wechsel nach Linz in Verbindung gebracht. Der 24-Jährige konnte sich heuer bei Mattersburg in Szene setzen, könnte Tettehs Platz im Kader einnehmen. Sein Vertrag bei den Burgenländern ist ausgelaufen. Spätestens nach den jüngsten Entwicklungen des Skandals von Mattersburg-Boss Martin Pucher ist ein Verbleib sehr unwahrscheinlich.