Virologe sagt, wann Corona "banaler Infekt" wird

Die britische Mutation macht Österreich schon seit Wochen zu schaffen. 
Die britische Mutation macht Österreich schon seit Wochen zu schaffen. Johann Groder / EXPA / picturedesk.com
Die britische Virusmutation macht Österreich seit Wochen zu schaffen. Ein Experte erklärt, warum die Variante so gefährlich ist.

Anders als zu Beginn angenommen wirkt sich die britische Virusmutation auf das Infektionsgeschehen in Österreich aus. In einem Puls24-Interview spricht Lukas Weseslindtner, Virologe an der MedUni Wien, mit Bianca Ambros unter anderem über die neuen Erkenntnisse zur britischen Virus-Mutation B.1.1.7.

"Offenbar ist dieses Virus besser darin, in die Zelle einzudringen", erklärt der Virologe die grundlegende Problematik rund um die britische Variante. Einerseits bedeute dies, dass man eine "geringere Viruskonzentration" brauche, um überhaupt infiziert zu werden. Andererseits ist das Virus leichter und schneller übertragbar, da die Viruskonzentration allgemein größer ist, die Menschen "mehr Virus ausscheiden in der Menge". Zudem besteht auch die Theorie, dass typische Symptome bei dieser Mutation erst viel später auftreten, man also nicht einmal weiß, dass man infiziert ist und das Virus verbreitet. 

Auch draußen ansteckender?

Grundsätzlich können die angeführten Punkte dazu beitragen, dass das Virus auch im Freien schneller verbreitet wird, insbesondere dann, wenn keine Abstände eingehalten und die Maßnahmen missachtet werden.

 "Deshalb sollte man auch draußen nicht davon ausgehen, dass man vollkommen geschützt ist, sondern eben auch den Abstand einhalten und es dem Virus schwerer machen, in ausreichender Konzentration in den Körper zu kommen."

Besorgniserregend ist die Tatsache, dass das Virus derzeit auch immer jüngere Menschen befällt. Sollte es so weitergehen, würde dies dazu führe, dass auch mehr Menschen aus den jüngeren Altersgruppen vermehrt auf den Intensivstationen betreut werden müssen, erklärt der Virologe. Die steigende Ansteckung unter den Jüngeren kann jedoch nicht zweifellos auf die britische Virusmutation zurückgeführt werden. Dies könne man "auf Basis des aktuellen Forschungsstandes so aktuell nicht sagen. Aber das heißt nicht, dass es nicht so ist", schildert der Virologe.

Kombination zweier Mutationen

Sorgen bereitet auch die neu aufgetretene E484K-Variante. "Das ist wirklich sehr bedrohlich, weil jetzt bekommt die britische Variante durch eine Mutation noch eine zusätzliche Eigenschaft dazu. Diese Mutation bringt dem Virus, dass es, wenn ein Mensch Antikörper gebildet hat durch eine durchgemacht Infektion oder eine Impfung, diesem Antikörpern leichter entgehen kann." Menschen, die nur wenige Antikörper besitzen, könnten dann neu von diesem Virus infiziert werden, so Weseslindtner. Dennoch ist man positiver Dinge, da davon ausgegangen wird, dass es in so einem Fall "nicht zu schweren Verläufen kommen" sollte, "weil ja auch andere Teile des Immunsystems zum Schutz beitragen". 

Das Problem, welches eine erneute Infektion für Geimpfte oder Genesene bedeuten könnte, ist, dass das Virus in diesem Fall dann wieder weitergegeben werden kann. "Das heißt, Menschen die eine Infektion bereits durchgemacht haben oder geimpft sind, könnten am epidemiologischen Geschehen wieder teilnehmen und ihr Umfeld mit dem Virus anstecken, ohne selbst schwere Symptome zu entwickeln, die uns erlauben, die Infektion bei denen zu detektieren und zu erkennen", schildert der Virologe die Problematik der beiden kombinierten Mutationen. 

"Das ist das bedrohliche Szenario, das da jetzt auf uns zukommen könnte."

Droht neue Welle?

"Ob eine vierte Welle droht, ist schwer zu sagen." Dies hänge von der Disziplin der Menschen und der weiteren Entwicklung des Infektionsgeschehens ab. Es müsse alles daran gesetzt werden, solch ein Szenario aber zu vermeiden. Umso wichtiger sei es daher, so viele Menschen wie möglich zu impfen. Jene schütze zumindest vor einem schweren Verlauf. "Das Virus bleibt uns" nämlich und wird auch weiterhin zirkulieren.

"Wenn wir ausreichend Schutz in der Bevölkerung haben, dass keine schweren Verläufe mehr auftreten, dann können wir es ohne weiteres tolerieren, dass das Virus wie ein banaler, milder, respiratorischer Infekt in der Bevölkerung weiter zirkuliert." 

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