Virologe verrät: So sinnvoll ist 1G ohne Testen wirklich

Ist 1G die Lösung zurück zu unserem normalen Leben ohne Beschränkungen?
Ist 1G die Lösung zurück zu unserem normalen Leben ohne Beschränkungen?JEAN MARC QUINET / Reporters / picturedesk.com
Ist 1G die Lösung zurück zu unserem normalen Leben ohne Beschränkungen? "Heute" sprach mit dem Virologen Lukas Weseslindtner von der MedUni Wien.

Die Wiener Ärzteschaft nimmt’s ganz genau. Denn der Wiener Ärzteball wird im kommenden Jänner unter der strengen 1G+ Regel stattfinden. Das bedeutet: Rein kommt nur, wer geimpftist UND einen gültigen PCR-Test hat. "Das ist die ultimative Sicherheitsstufe", sagt Lukas Weseslindtner, Virologe am Zentrum für Virologie der MedUni Wien, im Gespräch mit "Heute".

Auch in der öffentlichen Wahrnehmung wird eine potenzielle 1G-Regel diskutiert. Demnach dürften dann nur noch vollständig geimpfte Personen öffentliche Einrichtungen wie Theater, Fußballstadien, Clubsoder Restaurants besuchen. Aber wäre es sinnvoll – in Anbetracht eines möglichen Impfdurchbruchs– das Testen ganz abzuschaffen? Immerhin kann sich jeder trotz Impfung infizieren. Auch, wenn diese Infektion nicht schwer oder tödlich wäre.

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"1G auf jeden Fall sicherer"

"1G wäre auf jeden Fall sicherer", hält Weseslindtner fest. Dafür nennt er zwei Gründe: Einerseits ist bei der Delta-Variante die Vervielfältigung des Virus erheblich beschleunigt. Das führt dazu, dass man schneller ansteckend ist als bei der ursprünglichen Wuhan-Variante. "War man bei der Wuhan-Variante typischerweise erst am 4. Tag nach der Infektion ansteckend, so ist man es bei Delta wahrscheinlich bereits am 2. Tag", erklärt der Virologe.

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Zum Zweiten ist Geimpftsein einfach sicherer. Die Infektion kommt nach der Impfung seltener vor, und sollte es doch zur Infektion kommen, scheidet der geimpfte Infizierte Virusmaterial in einem viel kürzeren Zeitrahmen aus. "Ein Geimpfter hat vielleicht 24-72 Stunden einen positiven PCR-Test, danach stoppt das immunologische Gedächtnis - das wir durch die Impfung haben - den Virusanstieg und die Infektion ist erledigt. Der entscheidende Effekt der Impfung ist der Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf."

"Solange die Geimpften noch mitmachen"

Daher könnte sich Österreich die ganze Teststrategie ersparen, wenn sich alle impfen lassen würden, sagt der Mediziner. "Das Testen dient ja nur noch zum Schutz der Ungeimpften – solange die Geimpften halt noch mitmachen."

Eine Ausnahme seien laut Weseslindtner natürlich Menschen, die in Gesundheitsberufen arbeiten: "Jemand, der mit Immunschwachen zu tun hat, sollte sich selbstverständlich weiterhin testen, um diese vulnerable Gruppe nicht zu gefährden." Denn diese Gruppe spreche nur unzureichend auf die Impfung an, weshalb schon die geringste Virusmenge eine Bedrohung darstelle.

Eine Infektion, die man nicht mehr wahrnimmt

Wenn alle geimpft wären, könnte man wieder zu einem normalen Leben übergehen: "Dann gäbe es kaum mehr Menschen, die noch schwer an der Infektion erkranken könnten. Zwar kann man auch als Geimpfter die Infektion bekommen, aber die würde so mild verlaufen, dass man es mitunter gar nicht mehr wahrnehmen würde. Ähnlich wie bei anderen respiratorischen Viren, würde sich das oft nur mehr in einem Halskratzen oder einer laufenden Nase zeigen."

Man müsse sich im Klaren darüber sein, dass das Virus nicht verschwinden wird. Und jeder, der nicht geimpft ist, wird sich früher oder später infizieren. Deshalb sei das Ziel, "eine geimpfte Gesellschaft. Denn dann kann uns der Virus egal sein, weil es uns nicht mehr schaden kann." Daher hält der Virologe 1G „nicht nur virologisch vernünftig, sondern auch gesellschaftspolitisch sinnvoll.“

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