Virologe warnt vor Wucht einer zweiten Welle

Ein deutscher Virologe sieht in voreilig gelockerten Abstandsregelungen eine potenzielle Gefahr, eine zweite noch größere Welle loszutreten.

In Österreich stehen bald Lockerungen der Maßnahmen bevor, da die Entwicklung hierzulande als recht erfreulich eingestuft werden konnte. Doch manche Experten sehen darin erst den Anfang von etwas Größerem.

Der deutsche Chefvirologe Christian Drosten warnt vor einer zweiten Welle mit unerwarteter Wucht. Immerhin wäre das nicht das erste Mal der Fall, wie man am Beispiel der Spanischen Grippe beobachten konnte, bei der bei der zweiten Welle weit mehr Menschen ums Leben kamen als bei der ersten.



Diffusionseffekte im Hintergrund

Drosten hält die Lockerung von Maßnahmen zwar für naheliegend, sie würde ihn jedoch auch besorgt stimmen, wie er im Podcast "Das Coronavirus-Update" erzählt. Solange es so bleibe, dass eine Person nur eine weitere anstecke, wäre das ein Erfolg, was einem Reproduktionseffekt des Virus um unter 1 bedeutet, wie es beispielsweise in Deutschland der Fall ist.

Es könnte zu zwei Diffusionseffekten kommen, örtlich und altersmäßig bedingt. Eine örtliche Diffusion bezeichnet die geografische Konzentration der Verbreitung. An manchen Orten gibt es viele Fälle, an anderen weniger. Es könnten jedoch Aufenthalte und Treffen stattgefunden haben.

Altersmäßig könnte sich die Verteilungsdynamik auch ändern: Am Anfang der Pandemie waren es großteils junge und mittelalte Menschen, die das Virus übertragen haben. Es könnten sich inzwischen Infektionsketten innerhalb der älteren Bevölkerungsschicht gebildet haben, die vielleicht übersehen wurden. In den Zahlen ließen sich solche Hintergrundeffekte aktuell noch nicht ablesen. Für ihn ist es keine Spekulation, sondern ein Szenario, das fast mit Sicherheit zu erwarten sei: "Das sind Diffusionseffekte, die fast zwangsläufig sind. Ich erwarte, dass es dazu kommt."

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