Volksschüler in Angst vor WhatsApp-Kettenbriefen

Dieses Bild aus einem Youtube-Clip soll die tote Teresa darstellen, die Kettenbrief-Unterbrecher heimsucht. Der Kettenbrief macht aber Werbung für einen Film und vermutlich auch für den Clip selbst. Dieser wurde schon über 11 Millionen Mal angeschaut.
Dieses Bild aus einem Youtube-Clip soll die tote Teresa darstellen, die Kettenbrief-Unterbrecher heimsucht. Der Kettenbrief macht aber Werbung für einen Film und vermutlich auch für den Clip selbst. Dieser wurde schon über 11 Millionen Mal angeschaut.Bild: Screenshot YouTube
WhatsApp-Kettenbriefe sind zu einem großen Problem für Kinder geworden. Todesdrohungen oder Gruselgeschichten kommen vor.

Ein typischer Kettenbrief: "Wenn du das nicht an 30 Leute weiterschickst, dann stirbt deine Mutter. Aber erst in einem Jahr." Als besonders bedrohlich erleben Kinder Angstmacher-Kettenbriefe, in denen der eigene Tod oder das Erscheinen eines Monsters angedroht wird. Nicht selten wird der Schrecken durch Video- oder Audiodateien verstärkt.

Solche Kettenbriefe verursachen bei Kindern große Angst, weil sie fürchten, dass die Drohungen wahr werden könnten. Sie können die einschüchternden Inhalte schlecht beurteilen, leiten diese vorsorglich an ihre Kontakte weiter und tragen so zur großen Reichweite der Kettenbriefe bei. Denn das ungeschriebene Gesetz hinter den Massensendungen lautet: Wer einen Kettenbrief erhält, muss diesen binnen kurzer Zeit an eine bestimmte Anzahl an Personen weiterleiten. Die Kette darf nie abreißen, sonst droht großes Unheil.

Volksschulkinder Hauptbetroffene

Vor allem Kinder im Volksschulalter werden zunehmend von Kettenbriefen überhäuft. Daher sind Kettenbriefe zu einem zentralen Thema in den "Saferinternet.at"-Workshops in dieser Altersgruppe geworden. Diese Entwicklung bestätigt auch "Saferinternet.at"-Partner "147 Rat auf Draht", die auf junge Menschen spezialisierte Telefonberatung. Von 147 Rat auf Draht wollen Kinder vorrangig wissen, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie einen Kettenbrief bekommen und was tatsächlich passieren kann, wenn sie den Kettenbrief doch nicht weiterschicken.

"Die Ängste der Kinder müssen auf jeden Fall ernst genommen werden. Wenn ein Kind fürchtet, dass es selbst oder eine nahestehende Person sterben könnte, dann sind diese Sorgen ganz real und oft auch sehr mächtig", so Sophie Karmasin, Bundesministerin für Familien und Jugend. Diese irrationalen Ängste zu entkräften ist in der Praxis oft schwierig. "Es hilft, das Thema immer wieder aktiv anzusprechen. Oft nimmt es Kindern die Angst, wenn man ihnen erklärt, dass es sich nicht um persönliche Nachrichten handelt, sondern dieselben Falschmeldungen an unzählige Personen verschickt werden", so Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin von "Saferinternet.at".

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Machtausübung oder Langeweile

Es ist für Kinder wichtig, zwischen harmlosen, witzigen Nachrichten und ernsten Inhalten wie Betrug, Einschüchterungen, Drohungen oder sogar Todesprognosen unterscheiden zu können. Immer häufiger dient die Funktion von WhatsApp-Kettenbriefen als vermeintliches Beliebtheitsbarometer: Wie beliebt bin ich in meiner Klasse oder im Freundeskreis? Ausschlaggebend dafür ist die Anzahl der Antworten auf einen verschickten Kettenbrief. Dies kann einen hohen sozialen Druck auf Kinder ausüben. 

Die Motive für das Starten von Kettenbriefen sind vielfältig. Bei den einschüchternden Varianten stehen oft die Befriedigung Macht auf andere auszuüben, Langeweile oder fehlende sinnstiftende Aufgaben im Mittelpunkt. Vielleicht möchte jemand auch einfach nur testen, welche Reichweite solche Nachrichten erlangen.

Die Tipps der Experten

- Ergreifen Sie die Initiative. Sprechen Sie das Thema von sich aus an. Gehen Sie gemeinsam die Kettenbriefe durch, die Ihr Kind schon erhalten hat. Fordern Sie Ihr Kind auf, jederzeit zu Ihnen zu kommen, wenn es unsicher ist. Es kann sich auch kostenlos an die Beratungshotline "147 Rat auf Draht" unter der kostenlosen Telefonnummer 147 wenden.

- Erklären Sie Ihrem Kind, was Kettenbriefe sind. Kindern ist oft nicht bewusst, was hinter diesen Nachrichten steckt und dass die darin beschriebenen Gefahren nur leere Drohungen – also Fakes – sind, die nichts mit ihnen persönlich zu tun haben.

- Machen Sie Ihrem Kind immer wieder klar, dass nichts Schlimmes passiert, wenn man einen Kettenbrief nicht weiterschickt. Verlieren Sie dabei nicht die Geduld. Wenn Sie Ihr Kind begleiten, wird es im Laufe der Zeit die Sicherheit gewinnen, dass die in Kettenbriefen angedrohten Gefahren nicht real sind.

- Vereinbaren Sie Regeln. Diskutieren Sie mit Ihrem Kind, welche Kettenbriefe weitergeschickt werden dürfen und welche nicht. Nicht alle Kettenbriefe sind bedrohlich bzw. bedenklich, manche sind einfach auch nur nett. Es gibt aber viele Kettenbriefe, die sofort gelöscht werden sollten. (red)

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