"Vollkommen vergessen" – Abrechnung mit Pflegereform

Gesundheitsminister Johannes Rauch stellte die Pflegereform vor – zufrieden sind nicht alle damit.
Gesundheitsminister Johannes Rauch stellte die Pflegereform vor – zufrieden sind nicht alle damit.Sabine Hertel & Helmut Graf
Gesundheitsminister Johannes Rauch hat am Donnerstag die Pflegereform vorgelegt. Zwei Experten gehen mit dieser nun äußerst hart ins Gericht.

Passend zum Internationalen Tag der Pflege brachte Gesundheits- und Sozialminister Johannes Rauch am Donnerstag das "größte Reformpaket der vergangenen Jahrzehnte" auf den Weg, präsentierte den Plan für die Pflegereform gemeinsam mit ÖVP-Klubobmann August Wöginger und der grünen Klubchefin Sigi Maurer. Das Paket umfasst über 20 Maßnahmen mit einem Volumen von einer Milliarde Euro für den Pflegeberuf, die Ausbildung sowie für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige. Zentrale Maßnahme: In den kommenden zwei Jahren erhält jeder Mitarbeiter einen monatlichen Gehaltsbonus.

"Das bräuchten wir sehr dringend"

In der ORF-"ZiB 2" beurteilten am späten Donnerstagabend die Präsidentin des Gesundheits- und Krankenpflegeverbands, Elisabeth Potzmann, und der Vorstand Institut für Pflegewissenschaften der Universität Wien, Martin Nagl-Cupal, die Reformpläne. Die Reform habe drei Facetten, so Potzmann, es gebe Punkte die man begrüße, Punkte die man "nicht so gerne" sehe und Punkte, die schlicht vergessen worden seien. "Was uns fehlt ist eine Bekenntnis zur Professionalisierung", so Potzmann, man sehe den gehobenen Dienst nicht abgebildet im Entwurf, für die diplomierten Kolleginnen und Kollegen.

"Das bräuchten wir sehr dringend", so Potzmann. Ins selbe Horn stieß Nagl-Cupal, auf die größte Gruppe in der Pflege sei "vollkommen vergessen" worden, man spreche da von rund 100.000 Betroffenen oder gut ein Drittel des Personals in der Pflege. Wolle man den Beruf auch für sie attraktiver machen, brauche es die Möglichkeit, dass sich Beschäftigte in klinische Segmenten spezialisieren könnten, so der Experte. Das liege zwar bereits seit dem Jahr 2016 am Tisch, bis heute sei aber wenig geschehen, so seine Kritik. Bisher würden nur "gewisse Teile" der Pflege für die Betroffenen attraktiver gemacht.

"Ein guter und ein wichtiger Schritt"

Mehr Geld für pflegende Angehörige sei dagegen ein "guter und ein wichtiger Schritt", so Nagl-Cupal, bei der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf seien nun einige Maßnahmen am Weg. Das "mag für einige passen, für andere überhaupt nicht", so der Experte. Dass aber generell viele Dinge passiert seien, sei ein Schritt, den man lobend hervorheben müsse. Ein Problem mit der Attraktivität des Berufs ortete auch Potzmann. Es brauche eine Ausbildungsoffensive, denn Plätze gebe es genug, aber nicht geeignete Bewerber. Und es brauche noch mehr Maßnahmen, um Beruf und Privatleben besser vereinbar zu machen.

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