Vom Balkan-Gastarbeiterkind zur SPÖ-Spitzenkandidatin

Auf Cevapcici mit Silvia Jankovic.
Auf Cevapcici mit Silvia Jankovic.privat
Ich habe mich kurz vor der Wahl mit Silvia Jankovic getroffen – ab kommender Woche möglicherweise die erste Bezirksvorstehrin mit Balkan-Hintergrund.

Selten reagierte ein Gesprächspartner so erschüttert, nur weil ich sagte: "Ich war noch nie in Margareten". In Wahrheit war noch niemand so geschockt über diesen Umstand. Liegt höchstwahrscheinlich daran, dass ich mich bislang auch noch nie mit Silvia Jankovic an einen Tisch gesetzt habe – SPÖ-Spitzenkandidatin in Margareten. 

Schon in den ersten Minuten wird deutlich, dass Frau Jankovic für ihren Bezirk brennt. Nicht ohne Grund: Schon seit 26 Jahren wohnt sie im Fünften. Ihre Mutter bekam damals einen Job als Hausbesorgerin angeboten. Seitdem ist sie schon ein paar Mal umgezogen, aber nie in einen anderen Bezirk. "Bewusst", wie sie selbst sagt. Sie genieße die Vorzüge von Margareten, wie zum Beispiel eine sehr solidarische Nachbarschaft. "Man kennt sich hier", erklärt mir die Spitzenkandidatin.

Im Sommer geht's nach unten

Der Fünfte ist zudem bunt gemischt. Ein hoher Anteil der Balkan-Community ist in dem Bezirk vorzufinden. Aus diesem Grund haben wir uns auch auf einen Teller Cevapcici im Restaurant "Semendria" getroffen. Nicht ohne Hintergedanken. Denn: Die Eltern der SPÖ-Politikerin stammen aus Serbien. Ihr Haus steht in Smederevo, zu deutsch Semendria. 

Sie selbst schaut, dass sie jedes Jahr mindestens ein Mal mit ihrem Sohn in Serbien bei der Familie ist. Jedoch läuft es nicht aus ein "zwei Monate bei der Oma lassen" hinaus, was bei vielen Balkanern bekannt ist. Jankovic schaut darauf, dass ihr Kind auch den restlichen Balkan kennenlernt. 

Aufholbedarf bei Ausländerwahlrecht

Ihre Eltern achteten selbst darauf, dass ihre Tochter möglichst gute Chancen für ihr Leben hat. Dabei erklärt mir die SPÖlerin, dass sie ohnehin von Haus aus ein Fan vom Lernen war: "Wir hatten keine Spielsachen. Deshalb habe ich einfach gelesen". Während der schwarz-blauen Regierung unter Wolfgang Schüssel, entschied sie sich dazu, sich politisch zu engagieren. Über mehrere Stationen landete sie nun wo sie jetzt ist: Sie tritt für den Posten der Bezirksvorsteherin an. Und tatsächlich könnte sie Geschichte schreiben. Ab Sontag könnte Silvia Jankovic die erste Bezirksvorstehrin mit Balkan-Hintergrund sein. 

Für den Fall der Fälle, würde sie ein Wahlversprechen extra für mich einlösen: Dadurch, dass ich noch nie in Margareten war, würde ich eine private Tour durch den Bezirk bekommen. Dabei kann ich selbst nichts zur Wahl beitragen. Denn ich habe gar keine österreichische Staatsbürgerschaft. Hier sieht die SPÖ-Politikerin aufholbedarf: "Es muss irgendwas passieren, damit man partizipieren darf. Die Wahl muss schon ein Abbild der Gesellschaft sein." Wann sich etwas tun wird, das konnte auch sie mir nicht sagen. Aber es würde sich was tun, versprach sie.

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