Politik

Vorwurf: Mehr als 100 Imame in Österreich als Spione...

Heute Redaktion
14.09.2021, 13:03

Mehr als 100 Imame in Österreich sollen als Spione für die türkische Religionsbehörde in Ankara tätig sein - dieser schwere Vorwurf wird nun durch ein Dokument erstmals untermauert, das Medien zugespielt wurde. Das Dokument soll an Islam-Vereine in 38 Ländern ergangen sein. Darin heißt es, dass Imame "detaillierte Berichte" über Bildungseinrichtungen, NGOs, wohltätige Vereine und Kulturorganisationen im Zusammenhang mit der Gülen-Bewegung an Ankara melden müssten.

Mehr als 100 Imame in Österreich sollen als Spione für die türkische Religionsbehörde in Ankara tätig sein - wird nun durch ein Dokument erstmals untermauert, das Medien zugespielt wurde. Das Dokument soll an Islam-Vereine in 38 Ländern ergangen sein. Darin heißt es, dass Imame "detaillierte Berichte" über Bildungseinrichtungen, NGOs, wohltätige Vereine und Kulturorganisationen im Zusammenhang mit der Gülen-Bewegung an Ankara melden müssten.

Auch nach Österreich entsandte Imame haben offenbar aus der Türkei die Anweisung bekommen, Gülen-Anhänger und alle Vereine unter "Verdacht" auszuspionieren. Während der Vorwurf selbst schon länger bestand, liegt nun aber erstmals ein schriftliches Dokument aus der Zeit nach vor. Darin heißt es: "Die Gülen-Terrororganisation hat in unserer geliebten Heimat, Ostasien, im Balkan, Afrika, im Nahen Osten durch Manipulation und Zerstörung die Religion und die religiösen Werte missbraucht." Das Dokument ist eine "Dienstanweisung", das allen im Ausland tätigen Imamen eine Frist zur Einreichung ihrer Berichte setzte.

In Österreich sollen nach Schätzungen rund 100 Imame diesen Auftrag der Religionsbehörde "Diyanet" bekommen haben, unterzeichnet ist sie offenbar von Diyanet-Präsident Halife Keskin. Diyanet untersteht direkt dem türkischen Ministerpräsidenten und AKP-Chef Binali Yildirim, die Behörde entsendet aus der Türkei Imame auf Zeit auch nach Österreich. Hierzulande gilt die "Türkisch Islamische Union für Kulturelle und Soziale Zusammenarbeit in Österreich" (ATIB), der größte österreichische Dachverband türkisch-islamischer Moscheegemeinden, als verlängerter Arm von Diyanet.

Außenminister Kurz zitiert türkischen Geschäftsträger

Obmann der ATIB ist der türkische Kulturattaché. Bei ATIB bestreitet man aber, eine solche Anweisung bekommen zu haben. "Auch wurden keine derartigen Berichte durch die ATIB oder durch seine Vertretungen verfasst oder weitergegeben. Ein solches Vorgehen fände ohnehin nicht unsere Unterstützung", heißt es aus der ATIB-Zentrale. Auffällig: Das deutsche ATIB-Pendant DITIB reagierte beinahe wortgleich auf die Enthüllungen. Außenminister Kurz: "Das ist absolut inakzeptabel." Am Donnerstag zitiert er den türkischen Geschäftsträger zu sich und dürfte ihn eine Stunde lang ins Gebet genommen haben. 

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